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Argentinischer Peso in Not

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Argentinien, Europa und China

 

Ende Oktober wird in Argentinien ein neuer Präsident gewählt. Und nach den neuesten Umfragen sehen den jetzigen Präsidenten Macri mit einem Rückstand von 21 Punkten hinter Alberto Fernandez und seiner Kandidatin als Vizepräsidentin, Christina Kirchner, der Vorgängerin Macris.

Dieser Vorsprung kommt nicht von ungefähr. Es ist die tiefe Enttäuschung über ein hehres Ziel Macris, Argentinien wieder zu Wohlstand zu verhelfen. Über eine in weiten Teilen abgehobene Attitüde des Präsidenten, sich in die Millionen armer und während seiner Amtszeit arm gewordener Argentinier einzufühlen und dies in politische Budgetentscheidungen zu gießen, die die verwundbarsten Mitglieder vor dem sozialen Zerfall bewahrt. Die von den Argentiniern selbst ,,Macrisis‘‘ genannte Wirtschaftskrise ist auch eine soziale, in der 15 Millionen von 40 Millionen Argentiniern nicht genug zu essen haben.

Bei Amtsantritt Macris war vielen klar, dass man mit einer abgeschotteten Wirtschaft nicht wirklich wachsen und erst recht kein Vertrauen für Investoren und Konsumenten aufbauen kann. Macri gab im Dezember 2015 den Peso frei, um die Devisenreserven zu schonen. Diese und andere Härten seines Wirtschaftsprogramms ertrugen die Argentinier anfangs aus Einsicht, dass eben erst die Kosten anfallen und erst später die Erträge. Noch zur Zwischenwahl vor 2 Jahren schaffte es Macri, diesen Aufbruchsgeist zu beschwören.

Nun ist dieser verraucht. Ein Blick auf den kollabierenden Peso mit einem Verlust von 83 % zum Euro in der bisherigen Amtszeit Macris erklärt, warum sich das Geldvermögen der Argentinier ebenso schnell in Rauch auflöste, wie sich ihr Glaube an die Versprechungen Macris verflüchtigte. Bei einer Inflationsrate von über 50 % keine wirkliche Überraschung.

 

Euro vs. ARS - Chart

 

Eine Rückkehr der korruptionsbeladenen Ex-Präsidentin Kirchner unter dem Präsidentschaftskandidaten Fernandez wird die ökonomischen Probleme Argentiniens nicht lösen. Gerade beantragte ein Richter die mündliche Verhandlung wegen massiver Korruption bei der Vergabe von Staatsaufträgen gegen Kirchner, die aber als Senatorin Immunität genießt und durch ihre Kandidatur zur Vizepräsidentin Schutz vor weiterer Strafverfolgung sucht. Aber Not kennt kein Gebot. Und so werden wohl in 4 Wochen viele von Macri enttäuschte Wähler wieder seine Vorgängerin und ihren Strohmann wählen, von dem sie sich zuvor bereits abgewendet haben.

Kollateralschäden sind abzusehen. Brasilien, Argentiniens größter Handelspartner, drohte bereits, den Vertrag des Mercosur mit der EU platzen zu lassen, sollte in Buenos Aires wieder eine neo-peronistische Politik gemacht werden.

 

Faktor China

 

Und da wäre noch China. Dort, wo selbst verschuldete Fehler zu Turbulenzen führen, ist China nicht weit, um dies für sich zu nutzen. Selbst getrieben von Engpässen bei Sojamehl durch den Handelskonflikt mit den USA, denn irgendwie muss man ja die rund 500 Mio. chinesischen Schweine sattkriegen, nachdem die Sojaexporte aus den USA um 50 % eingebrochen sind. China will 5 Mio. Tonnen argentinischen Sojamehls der Argentiniens Gesamtproduktion von 26 Mio. Tonnen kaufen. Die Wirtschaftskrise Argentiniens und ihre Devisennot haben das Land jetzt ,,weichgekocht‘‘, denn man kann die rund 1,6 Mrd. Dollar aus Peking gut gebrauchen. Nebenbei importierte 2018 China vom Rio de la Plata auch noch doppelt so viel Rindfleisch und 68 % mehr Geflügel.

All dies ist nur ein kleiner Mosaikstein in Chinas Seidenstraßen-Initiative, denn es hat bereits mit 19 Staaten Lateinamerikas und der Karibik diesbezüglich Kooperationsabkommen geschlossen. Damit wird klar, dass auch hier die EU handelspolitisch derzeit auf keinen grünen Zweig kommt.

Den hungernden Argentiniern kann das egal sein. Ihre Hoffnung ruht auf ihrer alten Enttäuschung Christina Kirchner. Was braucht man noch mehr zu verstehen, warum die Stadt der guten Winde die welthöchste Dichte von Psychologen und Psychiatern hat? Der Wind, der die spanischen Seefahrer einst dort an Land trieb und der der Stadt ihren Namen gab, bläst ihr jedenfalls derzeit kalt ins Gesicht.

 

03.10.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 




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