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Der Ölpreis schwächelt weiter

Kriegt OPEC+ die Kurve?

 

Als hätte der Ölpreis mit den hohen Lagerbeständen in den USA nicht schon genug zu tun. Und dann drücken die Entwicklungen in China weltweit auf das Sentiment, obwohl es derzeit an den Aktien vorbeizugehen scheint.

Aber der Ölpreis ist nicht nur nachfrageabhängig. Auch die Anbieter und ihre Förderbereitschaft stehen gegen das im Rahmen der OPEC+ koordinierte Angebot des Kartells. Denn es geht am Ende des Tages um handfeste ökonomische Verluste. Das Öl wird in vielen Förderländern gebraucht, um die Staatsausgaben zu decken. Und weil nur zu oft eine vernünftige Diversifizierung der Wertschöpfung fehlt, war es mit der Förderdisziplin des Öfteren schnell vorbei. Und wie im Falle Venezuelas gilt: Not kennt kein Gebot.

Die OPEC-Fördermenge fiel im Januar 2020 auf einen Wert von 28,35 Mio. Barrel am Tag, was den tiefsten Wert seit über 10 Jahren darstellt. Dabei förderte Saudi-Arabien freiwillig nochmals weniger, als seine Quote zuschrieb. Und auch seine Gold-Anrainer kürzten stärker als vereinbart. Die Fördermenge Libyens fiel vor allem durch die Hafenblockade.

Anders der Irak und Nigeria. Sie produzierten mehr, als ihre Quoten vorsehen. Und Venezuela steigerte seine Ölproduktion auf ein Jahreshoch von 820.000 Barrel am Tag, ein Anstieg von 100.000 Barrel gegenüber dem Vormonat.

Derweil empfiehlt das technische Panel der OPEC+ Koalition eine zusätzliche Förderkürzung von 600.000 Barrel am Tag, um auf die sich deutlich abschwächende Nachfrage zu reagieren. Politisch entschieden ist aber aktuell noch nichts, und auch das dürfte das Sentiment am Ölmarkt belasten.

Und es reicht offensichtlich dem Markt auch nicht. Und die Charttechnik ist nur ein Spiegel dieser instabilen Lage.

 

Ölpreis

 

Der Preis für Brent-Öl rutsche in der vergangenen Woche unter seine Unterstützungslinie von rund 56 Dollar, bäumte sich kurz auf (blaue Kappe) und drehte danach schnell wieder nach Süden. Dass nun erst einmal keine größeren Unterstützungen in nächster Nähe warten, macht die Lage auch nicht besser.  

 

Ölpreis langfristig

 

Technisch relevant ist derzeit auch, dass der Ölpreis nicht nur kurzfristig angeschlagen ist. Nach dem Bruch der seit dem Zyklustief Anfang 2016 bestehenden Aufwärtstrendlinie hängt der Chart in der Luft. Die Unterstützung bei 49,75 Dollar könnte halten, denn sie ist auch gleichzeitig das 61,8 % Fibonacci-Retracement.

Sollte Chinas Wirtschaft aber nicht kurzfristig seine Produktion wieder aufnehmen, dürfte dies auch mittelfristig Folgen haben. Es wäre deshalb keine Überraschung, wenn der Ölpreis erst im Bereich knapp oberhalb von 40 Dollar zum Stehen kommt.

Dass dies den Druck auf die OPEC+ Länder erhöht, die Förderung noch weiter zu kürzen, ist einleuchtend. Da aber die Erlöse der geförderten Mengen gleichzeitig sinken, erhöht sich andererseits der Budgetdruck, die Förderung zu erhöhen bzw. sich nicht mehr an die vereinbarten Förderquoten zu halten. Wie die Ölstaaten aus dieser Mühle herauskommen wollen, ist derzeit so unklar wie die wirkliche Zahl der Coronavirus-Infizierten.

 

Fazit

 

Der Ölpreis sucht kurzfristig einen Boden, der allerdings eher morastig ist. Sollte Chinas Wirtschaft ernsthaft Erkältung oder gar eine Lungenentzündung bekommen, dürfte auch das Kursziel 40 Dollar noch zu hoch gegriffen sein.

 

 10.02.2020 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 






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