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Der Wert der Freiheit - Die tschechische Krone erstarkt

Der Wert der Freiheit - Zinserhöhung in Tschechien

 

Den Wert der Freiheit zu messen ist nicht zu leicht. Definiert man aber Freiheit einmal daumenregelhaft als Freiheit von etwas, dann ist die Abwesenheit von institutionellen Entscheidungszwängen eine dieser Bedingungen für die Geldpolitik einer Notenbank.

Wie gut oder weniger gut die Notenbankpolitik einer nationalen Notenbank dabei den Interessen des Staates dient, lässt sich einfach am Beispiel Deutschlands studieren. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Dr. Jens Weidmann, wird seit Längerem nicht müde, das Ende der extrem expansiven Geldpolitik zu fordern.

Denn es ist kein Geheimnis, dass das derzeitige Zinsniveau, welches de facto seit der Finanzkrise besteht, ist für Deutschland zu niedrig. Die hoch verschuldeten Euroländer, vor allem jene mit geringer Produktivität, profitieren von diesen extremen Niedrigzinsen. Diese schwächen den Euro und erhöhen relativ den Aufwertungsdruck auf alle anderen Währungen, auch die tschechische Krone.

Der schwache Euro erhöht zwar die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Waren außerhalb der Eurozone. Er führt aber strukturell zu Verwerfungen bei den Investitionen, da der Zins Fehlanreize auf diese auslöst.

Umso mehr fällt die Zinserhöhung der tschechischen Notenbank ins Gewicht. Denn diese Entscheidung ist eine klare Kante gegen eben diese extreme Niedrigzinspolitik. Damit steckt in ihr auch das Potenzial größerer Divergenz in der Geldpolitik und die Notenbank Tschechiens erlangt zunehmend den Ruf, eine der restriktivsten Notenbanken weltweit zu sein.

Denn sie entschied am 07.02.2020, den Zinssatz von 2 % auf 2,25 % zu erhöhen. Notenbankgouverneur Rusnok sagte danach, dass diese mit 4:3 gefallene Entscheidung ,,schwierig‘‘ war. Das Ergebnis: Die tschechische Krone fiel im Anschluss auf die Zinsentscheidung gegen den Euro auf den tiefsten Stand seit Oktober 2012.

 

Tschechische Krone

 

Die Zinserhöhung hat allerdings auch eine Grundlage. Die steigenden Konsumentenpreise wogen einfach schwerer als die Sorgen vor einem weltweiten Wachstumseinbruch. Notenbankinterne Berechnungen hatten schon seit einiger Zeit eine Zinsanhebung suggeriert. Jedoch war aus Sorge, das steigende Zinsen den industriellen Sektor und damit das Herzstück der tschechischen Wirtschaft zu stark schwächen könnten, dies bislang verschoben worden.

Dieser Wachstumseinbruch ist vor allem beim Nachbarn Deutschland spürbar. Und er schwappt bereits über das Erzgebirge nach Tschechien hinüber.

Die Geldpolitik ist allerdings keine Einbahnstraße. Sollte sich die Wachstumsdynamik Tschechiens deutlich verschlechtern, kann die Notenbank die Zinsen auch wieder senken. Welche Probleme es macht, diese de facto kaum weiter in den negativen Bereich senken zu können, zeigt gerade ein Blick nach Frankfurt am Main.

Ein Blick auf den Preischart der tschechischen Krone gegen den Euro zeigt auch, dass die Krone mittelfristig Potenzial bis 24 Kronen je Euro hat. Ebenso deutlich ist der langfristige Abwärtstrend des Euro gegen die Krone (roter Pfeil).

 

Fazit

 

Die ,,falkenhafte‘‘ Zinserhöhung der tschechischen Notenbank zeigt neben der marginalen Erhöhung um 0,25 % die Freiheit, eine Geldpolitik zu betreiben, die sich an den Anforderungen der nationalen Wirtschaft orientiert. Diese Freiheit ist viel wert, wie ein Vergleich mit Deutschland verdeutlicht. Das eine den nationalen Erfordernissen angemessene Notenbankpolitik auch Ausdruck von Souveränität ist, kann an dieser Stelle nicht vertieft werden. Gleichwohl ist die Entscheidung Tschechiens, dem Euro bislang nicht beigetreten zu sein, überhaupt erst die Voraussetzung für die Zinsentscheidung in der vergangenen Woche. Aus dieser Perspektive lässt sich der Wert der (geldpolitischen) Freiheit noch gar nicht genau abschätzen. Denn dies dürfte vor allem dann von Bedeutung sein, wenn die geldpolitischen Spannungen innerhalb der Euroländer zunehmen. Denn dann wird es gerade die Freiheit (Abwesenheit) von diesen institutionellen Zwängen sein, die Tschechien mehr Handlungsoptionen für die eigene Wirtschaft lässt als den Euroländern.

 

 11.02.2020 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 






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Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur

 

  • Arndt Kümpel - 12.02.2020 18:50:18 Uhr

    Hallo iMilanek, vielen Dank für Ihr Feedback! Dass man in Prag die Bundesbank-Tradition im Auge hatte, war mir nicht so bewußt. In gewisser Weise ist die Bundesbank nun aber, je nach dem betrachteten Zeitpunkt, Ansporn und abschreckendes Beispiel zugleich. Ich drücke Tschechien aber die Daumen, dass sie dies delikate geldpolitische Gratwanderung hinbekommen! Beste Grüße. A. Kümpel


  • iMilanek - 11.02.2020 22:12:38 Uhr

    Eine genau und richtige Analyse. Die Tschechen führen die Tradition der harten D-Mark fort. Für sie gilt, niemals diesen unsäglichen Euro anzunehmen. Nur so kann langfristig der Wohlstand gesichert werden.


 

 

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