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Deutsche Bank & Commerzbank: Bewertungsfragen

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Deutliche Diskepanzen müssen aufgelöst werden

 

Keine Frage: Die deutschen Privatbanken stecken nach wie vor in einer tiefen Ertrags- und Vertrauenskrise. Während sich die COMMERZBANK zuletzt hier etwas aus der Schusslinie nehmen konnte, droht der DEUTSCHEN BANK in dieser Woche der nächste Schlag. Zwar hatte das immer noch größte private Kreditinstitut des Landes schon mit vorläufigen Zahlen etwas Dampf aus dem Kessel gelassen. Denn es ist bereits bekannt und eingepreist, dass die DEUTSCHE BANK im zweiten Quartal aufgrund von Restrukturierungskosten einen Verlust von rund 2,8 Milliarden Euro ausweisen wird. Dennoch:

Wenn die Deutsch-Banker am Mittwoch ihre Bilanz-PK abhalten, wird es nicht um die vergangenen drei Monate gehen, sondern um die klare unternehmerische Perspektive für dieses und die weiteren Jahre. Und nur dann, wenn hier eine nachvollziehbare Strategie erneut argumentativ unterlegt werden kann, dürfte der Markt wohl bereit sein, die Aktie zumindest auf dem derzeitigen Niveau zu halten. Dennoch gibt es eine Frage, deren Beantwortung immer noch im Raum steht: die nach den geradezu eklatanten Unterschieden zwischen der Marktbewertung und dem Buchwert. Und das gilt sowohl für die DEUTSCHE BANK als auch für die COMMERZBANK.

 

DEUTSCHE BANK und COMMERZBANK mit deutlich Diskrepanzen

 

Um hier einmal die Dimensionen  zu skizzieren: Mit einem derzeitigen Kurs von rund 6,93 Euro liegt die DEUTSCHE BANK auf Basis der letzten Jahresbilanz fast 23 Euro je Aktie unter ihrem Buchwert. Eine ähnliche Dimension gibt es auch bei der COMMERZBANK. Hier  steht ein aktueller Kurs von 6,23 Euro einem Buchwert von 22,53 Euro (Bilanz 2018) gegenüber.

Zur Erinnerung: Grundsätzlich spiegelt der Buchwert das vorhandene Eigenkapital bzw. eigenkapitalähnliche Vermögenswerte wider, die bei einer Abwicklung/Insolvenz eines Unternehmens realisiert werden können. Das natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt und rechnet nicht mit ein, dass aufgrund zahlreicher bilanzielle Möglichkeiten hier Zu- und Abschläge gebucht werden können. Dennoch weist der eklatante Unterschied zwischen Marktwert und Buchwert bei den beiden größten Privatbanken darauf hin, dass hier eigentlich im Kern eine Seite falsch liegen müsste - entweder der Markt oder die Bilanzprüfer bzw. das Unternehmen, das die Bilanz aufstellt.

Wobei die Sachlage wohl bei beiden Instituten noch viel tiefer geht und über klassische Rechnungslegungsfragen hinausgeht. Denn in der erheblichen Diskrepanz zwischen Buch- und Marktwert könnte sich einerseits die Erwartung des Marktes widerspiegeln, dass beide Institute in der Zukunft (anders als die auf die Vergangenheit bezogene Rechnungslegung) deutlich negative Wachstumskennzahlen zu erwarten haben, es also eine Anpassung des Buchwertes an den Marktwert geben wird. Viel gravierender könnte allerdings sein, dass hier letztlich unter dem Strich erhebliche Abschreibungen auf den generellen Firmenwert antizipiert werden.

 

Wer bewegt sich zuerst?

 

Unter dem Strich: Solch starke Unterschiede zwischen Buch- und Marktwert sind nicht dauerhaft durchzuhalten. Was letztlich in der Regel heißen dürfte, dass die entsprechenden Geschäftsmodelle angepasst werden müssen,  was meist bedeutet, dass die Bilanzseite den ersten Schritt in Richtung Marktwert unternimmt. Wenn die entsprechenden neuen Geschäftsstrategien an der Börse ankommen, wird sich die Schere dann sehr wahrscheinlich zunehmend schließen. Allerdings:

Für beide Kreditinstitute gilt derzeit leider noch, dass bei allen Plänen noch kein überzeugendes Ergebnis vorliegt. Deshalb dürfte der Markt auch hier trotz Antizipation erst einmal abwarten, bis handfeste finanzielle Verbesserungen erkennbar sind. Allerdings könnte es dann in einem solchen Fall zu einer rasanten Rallye kommen. Hier wäre es am Ende sicherlich interessant, aus taktischen Überlegungen heraus mit Stopp-Buy-Marken zu arbeiten.

 

22.07.2019 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 






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