für PDF-Download bitte anmelden

Öl vor spannendem Dezember

Öl - Kommt eine neue Förderkürzung?

 

Die Interessen innerhalb der OPEC+ waren zwar noch nie wirklich deckungsgleich, aber mit dem turbulenten Börsengang von Aramco und dem wachsenden Unwillen Russlands, in einer Kälteperiode die Förderung zu drosseln, prallen mal wieder bedeutende Akteure aneinander. Man will den Preis stabilisieren, aber Liefersicherheit und Marktpreis bewegen sich in einer schillernden Wechselbeziehung.

 

Aramco-Börsengang wirft Schatten

 

Die OPEC-Staaten und weitere Ölexporteure inklusive Russland (OPEC+) treffen sich am 05.12.2019 in Wien, um ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Dabei ist Saudi-Arabien an einem nicht zu niedrigen Ölpreis interessiert, da sich der bislang weltgrößte Börsengang seines staatlichen Ölgiganten Aramco als schwieriger erweist als zuvor angenommen. Institutionelle Investoren können vom 17. November bis zum 4. Dezember ihre Gebote abgeben, Privatinvestoren bis zum 28. November. Die Bookbuilding-Spanne liegt dabei zwischen 30 und 32 saudischen Rials (8 Dollar bis 8,52 Dollar) und bewertet den Konzern mit 1,7-1,8 Bio. Dollar. Zuvor waren es noch über 2 Bio. Dollar gewesen. Am selben Tag wie das Treffen der OPEC+ steht für Aramco auch die Bekanntgabe des Emissionspreises und der Zahl der ausgegebenen Aktien an.

Auf der anderen Seite steht Russland. Es könnte sich unter Würdigung dieser besonderen Situation für Saudi-Arabien bereit erklären, die bestehenden Quoten zu verlängern. Eine Zustimmung zu einer weitergehenden Kürzung ist aber eher unwahrscheinlich. Bereits die zuvor eingeführte Kürzung ab Jahresanfang 2017 war von Russland nur graduell eingeführt worden und war erst im Mai 2017 vollständig umgesetzt. In der jüngsten Verlängerung hatten die Staaten von OPEC+ eine Förderkürzung auf 1,2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag vereinbart. Diese Vereinbarung läuft noch bis Ende März 2020.

Die Prognose der Ölnachfrage für 2020 ist allerdings mit relativ hoher Unsicherheit behaftet, weshalb das Thema Förderquotenkürzung auch im Dezember nicht abschließend entschieden werden wird. Dabei ist nach beiden Richtungen offenbar Überraschungspotenzial, wie auch ein Blick auf den Goldman Sachs Commodity Index Energy zeigt.

 

GSCI Energy

 

Seit dem Zyklustief Ende 2015 hatte der Energieindex eine dynamische Aufwärtsbewegung hingelegt, dann aber mit den Notenbank- und Zinserwartungsturbulenzen in den USA Ende 2018 zu einer scharfen Korrektur angesetzt.

Interessant ist nun, dass diese Bewegung trotz ihrer hohen Abwärtsdynamik eine de facto Punktlandung auf dem 61,8 %-Fibonacci-Retracement gemacht hat und sich auch danach kein tieferes Tief mehr gebildet hat. Wenn also das Zwischentief vom Dezember 2018 das Zyklustief der gegenwärtigen Korrektur insgesamt ist, kann man eher einen Impuls nach oben als nach unten erwarten.

 

Fazit

 

Dies würde für den Ölpreis eher steigende Kurse erwarten lassen. Die Ereignisse im Iran, aber auch eine weiter robuste Nachfrage nach russischem Öl nach China könnten den Ölpreis zusätzlich stabilisieren. Aber zunächst sollten die Ergebnisse des OPEC+-Treffens und des Bookbuilding-Verfahrens von Aramco abgewartet werden.

 

 19.11.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 




Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur

 

 

 

0 Leser haben diesen Artikel von www.berneckerresearch.de auf einer Skala von 1 bis 5 mit durchschnittlich 0 Punkten bewertet.