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BÖRSE TO GO: HELLOFRESH, LUFTHANSA und Automobilsektor

Agenda: US Schwergewichte

 

Guten Morgen,

wie erwartet begeben sich die Märkte nach der Entspannung am Freitag in Wartestellung. Nach den Kursavancen der letzten Tage ist eine technische Pause das übliche Muster, am Verlauf bzw. Trend ändert das nichts. Das gilt sowohl für Zürich als auch Frankfurt und die Wall Street. Ohnehin rücken nun langsam die Quartalsberichte in den Vordergrund.

An der Wall Street sieht das so aus: im Durchschnitt wird ein Rückgang der Unternehmensgewinne um 4% im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Das aktuelle Kursniveau spiegelt diese Erwartung bereits wider, lässt also Spielraum für die eine oder andere Überraschung in beide Richtungen. Das durchschnittliche KGV des S&P500 pendelt sich auf Basis dieser Schätzungen bei ca 16,5 ein, also leicht unterhalb des 5-Jahresschnitts von 17 und etwas über dem 10-Jahresschnitt von 14,5. Damit können wir leben, denn weder sind US-Aktien damit überteuert noch ausgesprochen günstig, sondern eher neutral.

Mittlerweile haben 23 der Unternehmen im S&P 500 ihre Ergebnisse vorgelegt, davon haben 21 positiv im Gewinn überrascht und 12 im Umsatz. Damit zeigt sich zumindest das der Markt die Auswirkungen des Handelsstreits und der Währungsschwankungen richtig eingestuft haben. Etwas aussagekräftiger wird es wenn die US-Banken und ein paar Schwergewichte anfangen etwas Schwung in die Sache zu bringen.

Die Agenda für heute: Citigroup, Goldman Sachs, Johnson & Johnson, J.P. Morgan Chase, Rio Tinto und Wells Fargo. Unsere Erwartung: sobald die Zahlen auf dem Tisch liegen, es keine negative Rücksetzer und Ausblicke und keine Rückschritte im Handelsstreit gibt stehen die Ampeln für das Parkett vollends auf grün.

Das Salz in der Suppe liegt denn auch weiterhin in den Titeln mit „Zukunftsmusik“: HELLOFRESH hebt nach unerwartet positivem Geschäftsverlauf im dritten Quartal seinen Ausblick sowohl für Umsatz als auch Gewinn an. Auf Konzernebene erwartet der Kochboxen-Anbieter ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 31 bis 33 % und liegt damit an beiden Enden der Spanne um gut 3% höher als von den Analysten prognostiziert. Die bereinigte Ebitda-Marge soll in jedem Fall positiv ausfallen und bei ca. 1,75 % liegen. Bereits im Sommer hatte HELLOFRESH aufgrund starker Zahlen im ersten Halbjahr die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Für das dritte Quartal wird nun ein Umsatz zwischen 438 und 441 Mio. € liegen und das bereinigte Ebitda zwischen 13,5 und 15,5 Mio. €. Der vollständige Quartalsbericht wird 5. November vorgelegt. Die Aktie steht damit vor dem Test der alten Höchstmarke vom Sommer. Wir warten dieses technische Signal ab bevor weiter überlegt wird. Wer HELLOFRESH hat, wartet ebenfalls ab.

Trotz Streikandrohung ändert sich unsere Einschätzung für LUFTHANSA nicht. Der Markt sieht das wohl auch entspannt, jedenfalls liegen die Chancen zu Gunsten eines Kaufsignals höher als umgekehrt wie der Chart es zeigt. Unterschätzen Sie dies nicht. Zumindest die Erfahrung zeigt das es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt dass das Gap zwischen 16 und 18 geschlossen wird. 

 

Chart Lufthansa

 

Für den DAX bleiben die Autos das zentrale Thema. Hier entscheidet sich in den kommenden Wochen ob es auch Frankfurt gelingt neue Höhen zu erreichen. In den letzten Tagen konnten alle drei, VW, BMW und DAIMLER, Boden gutmachen was die Hoffnung auf eine konstruktive Lösung de Handelsstreits spiegelt. Auf VW hatten wir schon mehrfach hingewiesen, näher beobachten wir nun BMW nachdem das „Manager Magazin“ ein hartes Urteil auf die Unternehmensstrategie gefällt hatte. Die Reihenfolge aus unserer Sicht: VW, DAIMLER, BMW. Dem folgen dann im Januar die Zulieferer CONTINENTAL, ELRING KLINGER und auch AUTONEUM oder FEINTOOL. Allen gemein gilt:

China, jahrelanger Wachstumsträger der Autoindustrie, ist ein Bremsklotz der bei manchem Zulieferer dafür sorgt das 60 bis 70% der neu aufgebauten Kapazitäten ungenutzt brachliegen. Dies in Ergänzung zu erhöhten Produktionskosten, sinkendem Absatz aufgrund verunsicherter Kunden und der Notwendigkeit den Richtungsschwenk von Benzin auf Strom anzugehen ist eine Herkulesaufgabe. Dennoch: im Wandel stecken auch Chancen. Diese zu erkennen und zu nutzen wird 2020 ein zentrales Börsenthema welches wir demnächst fokussiert angehen wollen.

 

Abschliessend ein Wort zu Brexit:

 

Die jüngsten Zahlen des Personalvermittlers Morgan McKinley zum Arbeitsmarkt in der Londoner City sind interessant zeigen das sich eine Erholung abzeichnet obwohl es doch eigentlich ausgemachte Sache war, dass das der Brexit zu einer massenhaften Abwanderung von Bankern führen wird. Im dritten Quartal soll nun aber die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Bankensektor um 12 % gestiegen sein. Selbiges gilt auch für die Anzahl der Arbeitsuchenden. Wir hatten es ja immer schon gesagt: Die Angelsachsen sind immer in der Lage sich neu zu erfinden, in diesem Fall wohl zu Gunsten neuer Geschäftsfelder wie Klimafinanzierung, Kryptowährungen oder neue Technologien für die Zahlungsabwicklung.

 

15.10.2019 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de

 









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