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Hat der kasachische Tenge Potenzial?

Bleibt Kasachstans Währung schwach?

 

Eigentlich könnte es Kasachstan gut gehen. Das Land hat große Öllagerstätten im Nordosten des Landes und ist einer der weltgrößten Uranproduzenten. Zudem besitzt es Vorkommen der strategisch wichtigen Seltenen Erden, die in der Raumfahrt, der Waffentechnik und anderen Hochtechnologiebereichen derzeit unersetzlich sind. Und schließlich ist Kasachstan direkter Nachbar Chinas und deshalb ein geborener Kooperationspartner von dessen Megaprojekt der Neuen Seidenstraße.

 

Russland und China dominieren Importe Kasachstans

 

Wenig überraschend sind seit Jahren Russland und China die wichtigsten Handelspartner Kasachstans. Denn Kasachstans industrielle Basis ist sehr schwach entwickelt. Darum ist das Land stark auf Importe angewiesen. 2018 kamen 38,1 % der Importe Kasachstans aus Russland, gefolgt von China mit 16,5 %. Hauptzielländer für kasachische Exporte waren 2018 hingegen Italien mit 19,3 % und China mit 10,3 %. Kasachstan ist neben Russland, Belarus, Kirgisistan und Armenien Mitglied des Binnenmarktes der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU).

 

Öl

Bildnachweis: © EMH Service GmbH

 

Während es in den Jahren hoher Rohstoffpreise aus dem Vollen schöpfen konnte, stand Kasachstan sowohl in der Finanzkrise 2008 als auch nach Einführung der Sanktionen gegen Russland im Zuge der Krimannexion 2014 zwischen Baum und Borke. Die Ausfuhr von Erdöl und Erdgas machte 2018 42,738 Mrd. Dollar bei einer Gesamtausfuhr von 60,954 Mrd. Dollar und damit ziemlich genau 70 % der Exporte aus.

In beiden Stresstests sahen sich die Zentralbanken Kasachstans wie Russlands gezwungen, den Wechselkurs des kasachischen Tenge (blaue Linie) und des russischen Rubels (orangene Linie) deutlich abzuwerten. Dies war nicht nur eine Folge stark fallender Ölpreise, sondern auch Ausdruck eines geringen Vertrauens in staatliche Institutionen. Es darf deshalb nicht verwundern, dass die Kapitalflucht in den Dollar, den Euro und in Gold anhält und der Tenge weiter abwertet.

 

Tenge

 

Der Tenge hatte vor allem 2014 nach vorangehender Abwertung des russischen Rubels einen Terms-of-Trade-Schock zu bewältigen, da innerhalb der EAWU seine Waren in kurzer Zeit zu teuer wurden. Die Diversifizierung der Handelspartner ist deshalb auch strategisch für die weitere Entwicklung Kasachstans von großer Bedeutung. Dass sich nun gerade China anschickt, Kasachstan wirtschaftspolitisch stärker an sich zu binden, weckt in der Hauptstadt Nursultan nicht nur Begeisterungsstürme. Die antichinesischen Ressentiments wachsen, was die Akzeptanz europäischer Initiativen eigentlich erhöhen dürfte. Diese sind insgesamt gerade im Vergleich zu China und Russland auf keinem bedeutenden Niveau. Insofern darf es in Brüssel niemanden überraschen, wenn der Spielraum potenzieller strategischer Partner immer kleiner wird.

 

Fazit

 

Der kasachische Tenge hängt zwar weiter am Preis für Öl und Gas. Er ist aber auch ein Gradmesser für die Verbesserung der institutionellen Qualität kasachischer Wirtschaftspolitik. Die Goldkäufe der kasachischen Zentralbank sind zudem ein Hinweis darauf, dass es durchaus eine strategische Ähnlichkeit zur Geldpolitik Russlands und Chinas gibt. Aus dieser Sicht ist der Tenge wenigstens langfristig auch für positive Überraschungen gut.

 

21.10.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 




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