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Kupfer vor Bodenbildung?

Steigt das Kupfer-Angebotsdefizit?

 

An der Börse wird ja bekanntlich die Zukunft gehandelt. Geht man danach und wirft einen Blick auf Kupfer, so fällt einem vor allem auf, dass in einem der größten Förderländer derzeit auf Sturm stehen. Denn obwohl Chile seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahre 1990 der wirtschaftlich und politisch stabilste Staat der Region ist, brechen derzeit die Konflikte wieder auf, die bislang nur unter der Oberfläche schwammen.

 

Hoher Anteil Chiles am weltweiten Kupferangebot

 

Das dies die Märkte nicht gleichgültig lässt, ist keine Überraschung. Und die besondere Bedeutung für den Kupfermarkt wird schnell klar. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird in Chile Kupfer abgebaut, wo sich auch die weltweit größte oberirdische Kupfermine befindet. Im Jahr 2018 wurden in Chile insgesamt rund 5,8 Mio. Tonnen Kupfer gefördert, was bei einer Weltjahresproduktion von 21 Mio. Tonnen einem Marktanteil von 27,6 % entspricht. Eine Störung der Kupferproduktion Chiles hat also durchaus das Potenzial, sich spürbar auf den Kupferpreis auszuwirken.

 

Draht

Bildnachweis: © EMH Service GmbH

 

Der Kupferpreis befindet sich zwar nicht zuletzt durch die Verlangsamung des globalen Wachstums in einem Abwärtstrend. Aber: Ein Trend geht eben solange, bis er dreht. Und das kann schnell gehen, wenn es zu Förderproblemen im weltweit größten Förderland zu Produktionsstillstand oder Verzögerungen kommt.

 

Schwappen die Proteste auf den Bergbausektor über?

 

Dass dies nicht so unwahrscheinlich ist, zeigt die Nachricht, dass sich die Minengewerkschaft mit den allgemeinen Streiks solidarisiert und ebenfalls zum Streik aufgerufen hat. Eine Ausweitung der Streiks würde dann aber nicht nur zu geringerer Produktion in den Minen führen. Ein Transportstreik könnte auch einen Weitertransport verhindern und das globale Kupferdefizit rasch vergrößern.

Denn wie die International Copper Study Group in ihrem jüngsten Monatsbericht zum Kupfermarkt schreibt, belief sich das Angebotsdefizit in den ersten 6 Monaten 2019 auf 220.000 Tonnen, nachdem es 2018 noch 177.000 Tonnen waren. Die Förderung ging im gleichen Zeitraum um 1,4 % zurück, während der Rückgang in Chile 2,5 % betrug. Ursache waren insbesondere niedrigere Erzgehalte.

 

Kupfer

 

Der Kupferpreis hat im September seine Unterstützungszone bei 2,55 Dollar getestet und befindet sich inzwischen wieder an seinem kurzfristigen Abwärtstrend. Bei einem Überwinden ist mit einem schnellen Anstieg in Richtung 2,70 Dollar zu rechnen. Gleichwohl sollte die Unterstützungszone nicht aus den Augen verloren werden. Risikosensible Investoren setzen einen Stoppkurs bei 2,47 Dollar.

 

Fazit

 

Im Kupfermarkt ist die globale Wachstumsverlangsamung spürbar. Eine substanzielle Störung der chilenischen Kupferproduktion durch die sozialen Spannungen im Land würde diesen Einfluss bei Weitem überwiegen, zumal der Kupfermarkt mit einem weiter steigenden Angebotsdefizit zu rechnen hat. Investoren sollten deshalb mit der Möglichkeit eines stärkeren Aufwärtsimpulses rechnen, die charttechnische Unterstützung bei 2,47 Dollar aber ebenfalls nicht aus den Augen verlieren.

 

22.10.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 






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