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Wann kommt der Knall beim libanesischen Pfund?

Libanon vor dem Staatsbankrott

 

Wie Währungen als Fieberthermometer von Volkswirtschaften funktionieren, kann man in diesen Tagen wieder einmal im Libanon beobachten.

Blickt man auf einen Wechselkurschart des libanesischen Pfund gegen den US-Dollar, so scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch auf dem Schwarzmarkt liegt der Kurs bereits bis zu 25 % tiefer.

 

Libanesisches Pfund

 

Seit dem Bürgerkrieg in den 90er Jahren und der damit einhergehenden Hyperinflation ist das libanesische Pfund seit Dezember 1997 fest an den US-Dollar gebunden und bewegt sich bislang nur in einer engen Spanne um seinen Zielkurs von 1.507,5 libanesische Pfund je Dollar. Damit wurde zwar die Geldpolitik aufgegeben, aber in die hätte ja sowieso niemand Vertrauen gehabt. Also importierte man dieses geldpolitische Vertrauen, indem man die eigene Währung fix an den Dollar koppelte. Das so entstandene Vertrauen in eine stabile Währung lockte ausländische und geflohene Gelder für Investitionen ins Land.

 

Keine nachhaltige Finanzpolitik

 

Gleichwohl wird im Inland viel mehr konsumiert als produziert, was zu einem bedeutenden Leistungsbilanzdefizit führt. 2018 lag dieses bei etwa 15 Mrd. Dollar, was ungefähr 25 % der Wirtschaftsleistung entspricht. Die dafür nötigen Devisen werden mit hohen Zinsen ins Land gelockt. Die libanesische Diaspora im Ausland erliegt dabei leicht der Versuchung, wodurch jährlich rund 7 Mrd. Dollar in den Libanon strömen und knapp 50 % des Defizites decken. Im Frühjahr 2019 zahlten die Geschäftsbanken auf Pfundguthaben rund 12 % und auf Dollareinlagen rund 8 % - in Zeiten von Negativzinsen eine bittersüße Versuchung. Die Geschäftsbanken investieren damit aber seit Jahren in libanesische Staatsanleihen. Der Staat ist der Versuchung leichter Verschuldung schon lange erlegen, wodurch die Staatsverschuldung bei 155 % des Bruttoinlandsprodukts liegt, der fünfthöchste Wert weltweit. Über 40 % der Staatseinnahmen müssen inzwischen für den Schuldendienst ausgegeben werden. Vergangene Woche schließlich stufte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des libanesischen Staates von bisher „B-“ um zwei Stufen auf „CCC“ herab.

Dass dies nicht ewig gut geht, war von Anfang an klar. Inzwischen kommt ein massives Politikversagen des multireligiösen und multiethnischen Staates hinzu: Erst trat der Ministerpräsident zurück, dann empfahl ein neben sich stehender Präsident unzufriedenen Teilnehmern der regelmäßigen Massenproteste, man möge doch einfach auswandern.

Das Vertrauen in die politischen Institutionen ist inzwischen bei faktisch Null angelangt. Sucht man auf der Webseite der libanesischen Zentralbank nach aktuellen Informationen zum Wechselkurs oder zur geldpolitischen Strategie, sucht man vergebens. Die letzte Meldung datiert vom 2. Mai 2019 – ein Rückblick auf 2018. Nicht sonderlich vertrauenserweckend!

 

Fazit

 

Der Druck im libanesischen Kessel ist nun gewaltig. Die Rechnungen aus den Jahren, in denen man über seine Verhältnisse lebte und die Ersparnisse des Auslands verkonsumierte, sind wohl vorüber. Das Vertrauen schwindet dramatisch, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der libanesische Staat seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Eine der nächsten Meldung auf der Webseite der libanesischen Zentralbank wird deshalb die Mitteilung sein, dass man das libanesische Pfund drastisch abwerten wird. Zudem steht ein Staatsbankrott an, der zu zusätzlichen wirtschaftlichen Schocks und sozialen Spannungen führen dürfte. Der Bankrun und de facto Devisenkontrollen sind schon da, der Treibstoffmangel auch. Man kann nur hoffen, dass die politischen Seiten die jetzigen und kommenden Turbulenzen nicht benutzen, um die alten Wunden des Bürgerkrieges wieder aufzureißen.

 

26.11.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 




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