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Nestlé: Restrukturierung von Wachstumsschwachstellen überlagert

Nestlé: China-Geschäft und Wassersparte stagnieren

 

Am 17.10. publizierte der weltführende Schweizer Nahrungsmittel- und Getränkehersteller NESTLÉ (CH0038863350) Zahlen zu seiner Umsatzentwicklung in den ersten 9 Monaten 2019. Gewinnzahlen veröffentlicht der Konzern prinzipiell nur halbjährlich, d.h. das nächste Mal erst am 13.02.2020.

Diese Umsatzbekanntgabe fiel reichlich unspektakulär aus, weshalb die Aktie seither auch bis heute um 3,5 % nachgab. Der charttechnische Haussetrend, den die Aktie nach Bekanntgabe des neuen strategischen Restrukturierungsprogramms durch Firmenchef Ulf Schneider seit Anfang des Jahres hingelegt hat, ist somit fürs Erste klar gestoppt worden. Wir ziehen daher nun die Bilanz der aktuellen Geschäftsentwicklung in Relation zu den weiteren Ambitionen der strategischen Neuausrichtung des Konzerns und geben im Fazit eine entsprechende Aktienempfehlung ab.

 

CHART:  Nestlé (in CHF)

 

Chart: Nestlé (in CHF)

 

Umsatzzahlen Januar – September 2019 und Unternehmensziel 2019

 

Von Januar - September 2019 verbuchte Nestlé trotz klarer Konjunkturbelastung durch den Handelskrieg zwischen USA und China immerhin noch ein organisches Umsatzplus von 3,7 % gegenüber dem Vorjahr und traf damit auch exakt die Erwartungen der Analysten. Belastet durch die Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber den wichtigsten Kernwährungen seit Jahresbeginn blieb inklusive Währungseinflüssen jedoch nur noch ein Plus von + 2,9 % gegenüber dem Vorjahr übrig, womit die Analystenerwartungen verfehlt wurden. Immerhin schnitt mit dieser Umsatzausweitung der Konzern jedoch noch besser ab als sein europäischer Hauptkonkurrent UNILEVER (NL0000388619), der im gleichen Zeitraum um 0,7 %-Punkte hinter der Umsatzwachstumsrate von NESTLÉ zurückblieb.

Überdurchschnittlich gut schnitt mit einem organischen Umsatzplus von 4,1 % der panamerikanische Kontinent ab, wobei Nord- und Südamerika in etwa gleich hohe Wachstumsraten aufwiesen. Das Geschäft in Asien / Ozeanien / südliches Afrika (organisches Umsatzwachstum + 3,1%) sowie in Europa / Naher Osten / Nordafrika (organisches Umsatzwachstum + 2,9 %) konnte hingegen nur unterdurchschnittlich ausgebaut werden. Gerade in China stagnierte der Umsatz vor dem Hintergrund des eskalierenden USA – China – Handelskriegs völlig.

In allen Tätigkeitsregionen fanden in 2019 bisher vor allem Tier- und Babynahrungs-Produkte sowie auch diverse Kaffeeangebote sehr guten Anklang. In der Kaffeesparte profitierte Nestlé dabei vor allem durch den erstmaligen weltweiten Exklusivlizenz-Vertrieb von Starbucks-Kaffeeprodukten in Supermärkten und Warenhäusern, so z. B. in Form neuer Kaffeekapseln von Starbucks mit speziellem Zuschnitt auf Nestlés Nespresso-Geräte, wie aber auch weiterhin reger Nachfrage nach Kaffees der hauseigenen Marken Nescafé und Nespresso. Allein in Europa wurde die Umsatzentwicklung jedoch gleichzeitig durch rückläufige Kaffeepreise gebremst.

Sorgenkind von Nestlé blieb jedoch auch weiterhin die margenschwache Sparte der Wasser- und Fruchtsaftgetränke, die zum zurückliegenden Halbjahresende bei einem 9 %-igen Konzernumsatzanteil lediglich einen unterdurchschnittlichen Konzerngewinnbeitrag von 5 % beisteuerte. Auch auf 9 Monats-Basis entwickelte sich die Nachfrage in der einzigen von Nestlés gesamten Produktsparten rückläufig, und zwar um - 2,5 %. Dies konnte gerade noch durch eine 3 %-ige Preiserhöhung aufgefangen werden, so dass die Wasser- und Getränkesparte insgesamt mit einem kaum nennenswerten Umsatzanstieg von + 0,5 % abschnitt. Hervorstechende Umsatztreiber waren hier fast ausschließlich die Premium-Mineralwasser-Marken Perrier und San Pellegrino.

Die Umsatz- und Margenziele für 2019 behielt Nestlé unverändert bei. Hier wird weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von mindestens 3,5 %, gepaart mit einer operativen Marge von mindestens 17,5 % angestrebt.  Zum Jahresende 2018 lag dagegen die operative Marge erst bei 17,0 %.

 

Restrukturierungspläne und Aktienrückkaufprogramm

 

Die von Vorstandschef Ulf Schneider mit seinem Amtsantritt 2017 sofort eingeleitete operative Restrukturierung des Konzerns zielt insbesondere auf den Ausbau der bei Nestlé auch weiterhin untergeordneten Sparten der Gesundheits- und Tiernahrung ab, die mit operativen Margen von bis zu 30 % seit Jahren dauerhaft die profitabelsten Einheiten bei Nestlé bilden. Auch das Kaffeegeschäft stellt auf den Säulen Nescafé, Nespresso und der neuen Lizenzpartnerschaft mit Starbucks einen starken Hoffnungsträger für Nestlés Zukunft dar. Dagegen hat Nestlé die Veräußerung ihrer Hautpflege-Sparte nun erfolgreich zu einem Verkaufspreis von 10 Mrd. USD abgeschlossen. Auch das Fleischwarensortiment des deutschen Herstellers Herta GmbH steht bei Nestlé nun zum Verkauf. Ferner reagiert Nestlé auf die anhaltende Underperformance ihrer Wassersparte nun mit der sofortigen Trennung von deren langjährigem Bereichsleiter. Hier soll das Geschäft nun künftig noch stärker auf Mineralwasser-Marken des Premium Segments fokussiert werden. Durch diese Neuordnungen ihres Produktangebots strebt Nestlé bis Ende 2020 die (dauerhafte) Erreichung eines organischen Umsatzzuwachses „im mittleren einstelligen Bereich“, verbunden mit einer operativen Marge von 17,5 – 18,5 % an.

Ferner kündigte Nestlé zusammen mit den Umsatzzahlen nun auch erwartungsgemäß die Auflegung eines bis 2022 abzuschließenden Aktienrückkaufprogramms an, und zwar gleich in einem Volumen rd. 20 Mrd. CHF, was fallweise sogar auch noch die Ausschüttung von Sonderdividenden begleitet werden wird.

 

Aktienbewertung und Anlageempfehlung NESTLÉ

 

Das produktseitige Restrukturierungsprogramm von Nestlé geht in der Expansionskonzentration auf die künftig wohl weiter wachstums- und margenstärksten Sparten Gesundheits- und Tiernahrung sowie Kaffee sicherlich grundsätzlich in die richtige Richtung. Dennoch werden diese Sparten gegenüber den klassischen Kernsegmenten von Nestlés Alltagsnahrungsmitteln wie vor allem Fertiggerichten, Süßspeisen und Milchprodukten voraussichtlich noch lange unterrepräsentiert bleiben. Hinzu kommt, dass Nestlé von seinem bis Ende 2020 anvisierten Einsparungsbudget von 2,5 Mrd. CHF bisher bereits nach eigenen Aussagen 1,9 Mrd. CHF realisiert hat, u. a. auch durch die zurückliegende Kündigung von 4.000 Mitarbeitern. Weitere Kostensenkungen bis 2020 sollten somit deutlich geringer ausfallen als zurückliegend, sofern Nestlé dieses Plansoll nicht übererfüllen oder ein weiteres Kostensenkungsprogramm initiieren wird.

Dank der künftigen Profitabilitätssteigerung des Produkt-Mix wie aber auch den laufenden Einsparungen sehen wir die Zielmarke einer operativen Marge von bis zu 18,5 % per Ende 2020 in jedem Fall al realisierbar. Jedoch hegen wir, auch angesichts der fortgesetzten globalen Konjunkturerlahmung, Zweifel an der Erfüllung des 2. Ziels von Nestlé, nämlich der Erreichung eines „mittleren einstelligen“ (d.h. normalerweise rd. 5 %-igen) organischen, und auch dauerhaften Umsatzwachstums ab Ende 2020.

Selbst wenn Nestlé dank des Restrukturierungsprogramms von 2018 bis 2020 wohl ein Reingewinnplus von sicher + 25 % erzielen dürfte, so ist diese jährliche Gewinnwachstumsrate von + 12 % p. a. aus unserer Sicht selbst bei Verbesserung der Produktstruktur kaum über 2020 hinaus fortzuschreiben, sondern dürfte ab 2021 wohl wieder in den prozentual einstelligen Wachstumsbereich (wenn auch mit einem vermutlich anhaltenden Vorsprung gegenüber UNILEVER) zurückfallen.

In Relation zu diesen Umsatz- und Gewinnperspektiven sehen wir die Nestlé-Aktie mit einem aktuellen KGV 2019 / 20e von 24 / 23 weiterhin als sehr ambitioniert bewertet an und stellen diese nach dem auch charttechnisch zweifelsfrei erfolgten Bruch des Aufwärtstrends ab Anfang 2019 nun zum Verkauf. Entsprechend eliminieren wir diese Position nun auch mit einem Gewinn von + 8,5 % seit Einstand aus unserem Musterportfolio KONSERVATIV, nachdem mit dem heutigen Tag zudem auch die gesetzte Stop Loss-Marke bei 102,40 CHF verletzt wurde.

 

Musterdepot Konservativ

 

21.10.2019 - Matthias Reiner - mr@berneckerresearch.de

 







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