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Nickel strauchelt

Warnlampe Nickelpreis

 

Der Nickelpreis sendet derzeit ernüchternde Signale. In unserem Beitrag zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf dem Nickelmarkt hatten wir den Einfluss Chinas und die Bedeutung strategischer Industriepolitik betont.

Seit dem 11.02.2020 sind allerdings die Infiziertenzahlen der Corona-Pandemie explodiert und die Abriegelung der Risikogebiete schnitt mehr als 700 Mio. Chinesen von ihrem Lebensalltag ab. Die neuesten Konjunkturzahlen u.a. zur chinesischen Industrieproduktion bestätigen diese volkswirtschaftliche Vollbremsung.

Auf der Angebotsseite ist seit dem ,,Indonesien-Schock‘‘ zwar schon einige Zeit vergangen. Dies ändert aber nichts an den verschärften Angebotsbedingungen, die Indonesien im Zuge seiner strategischen Industriepolitik geschaffen hat. Denn Indonesien kündigte 2019 an, einen größeren Anteil der Wertschöpfung entlang der Förder- und Verarbeitungskette von Nickel im Inland sichern zu wollen. Und so reagierte der Nickelpreis mit einem deutlichen Anstieg auf die Entscheidung des Landes im August 2019, den Export von Nickelerz mit einem Nickelgehalt von weniger als 1,7 % bereits ab Januar 2020 anstatt ab 2022 zu beschränken, um die einheimischen Schmelzkapazitäten auszubauen.

Seither ist aber viel auf den Märkten passiert. Der Nachfrageschock, der sich durch die Corona-Pandemie nun auch auf die meisten anderen Länder mit bedeutender Nickelnachfrage ausbreitet, hat die Saldenmechanik des Nickelmarktes verschoben.

Dies wird auch bei einem Blick auf den Kursverlauf des Nickel ETF von Wisdom Tree deutlich.

 

Nickel langfristig

 

Im Januar und auch noch im Februar 2020 korrigierte der Nickelpreis von seinem kurzfristigen Widerstand (dünne blaue Horizontale) zwar seinen sprunghaften Zuwachs vom Herbst 2019, blieb aber noch oberhalb der zuvor überwundenen Abwärtstrendlinie (dickere blaue Abwärtstrendlinie).

 

Nickel mittelfristig

 

Dies hat sich nun in der vergangenen Woche geändert. Wie in Chart 2 ersichtlich, fiel Nickel nun wieder von oben unter die Abwärtstrendlinie.  Derzeit ist der Kurs bis auf seine ab Mitte 2017 laufende steilere Aufwärtstrendlinie gefallen (s. gelbes Rechteck). Kurz darunter liegt schließlich bald seine seit Anfang 2016, also seit dem Zyklustief der Basisrohstoffe insgesamt, laufende flachere Aufwärtstrendlinie. Die extrem hohen Umsätze und die vollständige Aufgabe der vorangegangenen Gewinne zeigen an, dass technisch auch ein Rückfall bis auf das Zyklustief vom Jahreswechsel 2015/2016 wahrscheinlicher wird, sollte die flachere Aufwärtstrendlinie fallen.

 

Fazit

 

Nickel spiegelt die weltweit hohe Unsicherheit über die konjunkturellen Bedingungen wider. Die Charttechnik zeigt dabei an, dass die aktuell wirkenden Abwärtskräfte stärker sind als die voran gegangenen Effekt indonesischer Industriepolitik. Ein Bruch der flacheren Aufwärtstrendlinie wäre aus dieser Perspektive ein Signal, über zusätzliche Absicherungen am Rohstoffmarkt nachzudenken.

 

17.03.2020 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 






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