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Sprechstunde bei Dr. Copper

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Ein Marktbericht von Arndt Kümpel

 

Die Erleichterung war mit den Händen zu greifen: Das chinesische BIP fiel im 2. Quartal mit 6,2 % so niedrig aus wie in den letzten 27 Jahren nicht mehr. Und US-Präsident Trump twitterte dies sogleich als Erfolg seiner harten Zölle in die Welt. Jedoch stieg in Juni die Industrieproduktion Chinas schneller als erwartet. So schnell ist der chinesische Drachen also nicht kleinzukriegen, zumal das schwächere BIP-Wachstum die Wahrscheinlichkeit für staatliche Maßnahmen erhöht. Gleichwohl liegt der Handelsstreit zwischen den USA und China wie Mehltau über den Marktprognosen, auch jenen von Kupfer. Der Grund ist einfach: China ist der weltgrößte Verbraucher von Kupfer. Und im Juni 2019 betrugen die Importe von Rohkupfer 326.000 Tonnen, 9,7 % weniger als im Vormonat. Im 1. Halbjahr 2019 sanken sie im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 % auf 2,27 Millionen Tonnen.

Deshalb hoffen die Marktteilnehmer auf das 2. Halbjahr. Der Kupferbedarf könnte dann wieder anziehen, denn der Investitionsschub im Immobiliensektor und bei Infrastrukturprojekten hatte zuletzt bereits den Stahl- und Eisenbedarf wachsen lassen. Deshalb könnte nun durch den Baufortschritt auch der Einsatz von kupferintensiven Produkten steigen.

 

China's Seidenstraßen-Initiative

 

Auch hier zeigt sich ein weiteres Mal der wirtschaftsstrategische Wert der chinesischen Seidenstraßen-Initiative, da durch sie auch die innenpolitische Legitimität antizyklischer Konjunkturpolitik erhöht wird. Und die Dimension ist gewaltig: BHP Billiton, einer der größten Kupferproduzenten, rechnet mit einem Kupferbedarf der Neuen Seidenstraße von mindestens 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr oder rund 7 % der weltweiten Förderung. Derweil sinkt das Angebot tendenziell durch auslaufende Minen und niedrigere Kupfergrade.

 

Fieberthermometer der Weltkonjunktur

 

Ein Blick auf den Kupferchart ist so auch eine Art Fieberthermometer der Weltkonjunktur. Kupfer wird vor allem an den Warenterminbörsen in London (LME) oder New York (NYMEX) gehandelt, wobei die Notierung in London auf US-Dollar je Tonne lautet und in New York auf US-Cent pro amerikanisches Pfund (1 Pfund. = 0,45 kg).

 

Kupfer monthly

 

Der Kupferchart erinnert mit seinem steilen, von billigem Geld getriebenen Bauboom vor der Finanzkrise ab 2006 sowie dem darauffolgenden, noch steileren Absturz 2009 an die Folgen einer missglückten Geldpolitik. Die weiteren Stimuli in der Folge führten zu einem noch stärkeren Anstieg bis auf 4,5 US-Dollar je Pfund, an die sich ein Rückgang von mehr als 50 % bis Ende 2016 mit einer ersten Plateaubildung (größeres Quadrat) anschloss. Die Wahl Donald Trumps im November 2016 löste schließlich einen starken Preissprung aus, der bis Weihnachten 2018 zu einer kleineren Plateaubildung führte (kleineres Quadrat). Die chinesischen Bremseffekte machen dem Kupferpreis seither verstärkt zu schaffen.

Fazit: Der Kupferpreis steht vor einer Richtungsentscheidung, die wesentlich durch den Handelsstreit der USA mit China und seine Kollateralschäden sowie die entgegengerichteten Stimulationsmaßnahmen Chinas bestimmt wird. Wie obiger Kupferchart andeutet, empfiehlt Dr. Copper China eine reziproke und dadurch erst international akzeptable Öffnung und den USA eine verstärkte Besinnung auf kooperative Handelsabkommen und weniger Fetischismus bei Zöllen.

 

15.07.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de






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