Über das Risiko einer Blase in Anleihen Image

Gibt es eine Anleihe-Blase?

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Und wenn ja, platzt sie bald?

 

Alle reden von der Gefahr einer platzenden Anleihen-Blase.

 

Mit der ultra-lockeren Zinspolitik der Notenbanken und den daraus resultierenden Kurssteigerungen der Anleihen bzw. dem Renditeverfall auf unter 0% macht allgegenwärtig wieder einmal das Schreckgespenst einer platzenden Anleiheblase die Runde. Das Internet und die Finanzmedien sind voll davon, insbesondere die einschlägigen Crash-Propheten ziehen damit Aufmerksamkeit auf sich. Es stellt sich die einfache Frage: wenn alle diese Blase sehen, warum platzt sie dann nicht? Oder wird zum Platzen gebracht.

Denn üblicherweise werden Blasen erst dann als solche erkannt wenn sie bereits geplatzt sind. So war es schon in der Tulpen-Blase in Holland im 17. Jahrhundert oder in der dot.com Blase der Jahrtausendwende. Denn niemand (!) setzt sein Geld bewusst einem solchen Risiko aus.

Einig sind uns in dem Punkt das Anleihen derzeit maßlos und historisch gesehen überteuert sind. Auch aus Renditegesichtspunkten sind sie verzerrt. Denn inzwischen ist nicht nur die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, sondern auch die von dreißigjährigen Bunds negativ. Dadurch stellt sich bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,5 % p.a. für diese Papiere über 30 Jahre eine negative Rendite bzw. ein Verlust von ca. 36 % ein wenn man die Papiere bis zum Ende der Laufzeit halten würde. Käufer solcher Papiere wären somit entweder Opfer einer spekulativen Übertreibung oder dem "Greater-fool-Syndrom" unterliegen: Anleger kaufen überteuerte Assets weil sie glauben, diese noch zu höheren Preisen an einen anderen Narren weiterveräußern zu können. 

 

Staatsanleihen verhalten sich nicht wie Aktien

 

Und hier liegt der entscheidende Unterschied: Anleihen verhalten sich nicht wie Aktien. Und Anleihen-Blasen auch nicht wie Aktien-Blasen. Die einfachen Kursverläufe miteinander zu vergleichen, ist der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen (oder einer anderen Frucht). Denn Käufer von Anleihen haben gänzlich andere Motivationen als Käufer von Aktien.

Der Kursverlauf bzw. der Ertragsgewinn durch Kursavancen steht nicht im Fokus. Es geht lediglich um das temporäre Parken von Liquidität in einem kurzfristig relativ sicheren Hafen. Ein Preis wird dafür gern bezahlt, insbesondere seitens der großen Kapitalsammelstellen. Zudem sind Anleihen, insbesondere Staatsanleihen, sehr liquide und können jederzeit veräussert werden. Aus diesem Grund sind sie auch seitens der regulatorischen Anforderungen für institutionelle die einzige Möglichkeit Risiko optimal abzubilden.

Anleihen werden nicht von Spekulanten gehalten. Ergo wird auch kein Besitzer von größeren Positionen von heute auf morgen aufgrund der Notwendigkeit von eiligen Gewinnmitnahmen auf den Knopf drücken und eine Lawine auslösen. Im Gegenteil: Notenbanken und institutionelle Anleihebesitzer werden sorgfältig darauf achten eine Kurswende kontrollliert ablaufen zu lassen, und das aller Wahrscheinlichkeit nach über viele Jahre.

Es gibt nur zwei Dinge welche die Luft aus einer Anleihen-Blase entweichen lassen kann a.) steigende Zinsen, b.) Inflation. Beides ist derzeit nicht in Sicht. Auch Zinserhöhungen, wie in den letzten Jahren durch die amerikanische Notenbank Fed, haben nicht zu einer Flucht aus US-Staatsanleihen geführt. Als mögliche Variante c.) kommt eventuell noch ein Weltkrieg in Frage. 

 

Bei Unternehmensanleihen sieht es anders aus.

 

Hier steht aber nicht nur der Kurs, sondern die Bonität im Fokus, und diese ist abhängig vom allgemeinen Konjunkturverlauf, dem Zins sowie der Finanzstabilität des in Frage kommenden Unternehmens. Bekanntlich schwanken Unternehmensanleihen daher teils erheblich, während das bei Staatsanleihen selten der Fall ist. Daher sollte auch hier klar differenziert werden: Eine Blase in dem einen Sektor ist nicht gleichzustellen mit einer Blase im anderen Bereich.

Bondbullen weisen immer schnell darauf hin, wie oft sich die Bären und die Weltuntergangsjäger in den letzten Jahren geirrt haben. Andererseits untersuchte die Europäische Zentralbank von 1970 bis 2016 weltweit 175 Kreditkrisen und stellte fest, dass in 33% aller Ereignisse die jeweiligen Märkte innerhalb von drei Jahren nach dem Ende des Booms von einer Banken- oder Finanzkrise betroffen waren. Ob sich Anleger für die nächste Kreditpleite bei Unternehmen vollständig absichern können, ist also die entscheidende eine offene Frage.

Fazit: Ja, die Rentenblase existiert. Sie stellt aber nur eingeschränkt eine Gefahr für die Kapitalmärkte oder der Weltwirtschaft dar. Bei den Staatsanleihen ist es eine einfache Folge der Kombinationen von vielen Faktoren welche die Renditen in den letzten Jahren gedrückt hatten. Wir hatten das hier bereits mehrfach erläutert und sehen in dieser Assetklasse kein großes bzw. unkontrollierbares Risiko. Das Beispiel Japan zeigt zudem wie lange ein solcher Zustand anhalten kann. Gefährliche Blasen entstehen indes fast immer nur durch gierige Spekulanten oder einer Euphorie der Masse. Wir raten also dazu die Diskussion darüber aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

 

14.08.2019 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de






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