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Wie geht es auf der Insel nach dem Brexit weiter?

Was bedeutet der Brexit für das Pfund?

 

Das war keine Überraschung: Das Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens ist im 2. Quartal 2019 erstmals seit Ende 2012 wieder geschrumpft. Vor allem besorgniserregend: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ging um 2,3 % zurück. Dies ist der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise 2009. Die Angst vor einem harten Brexit ohne Austrittsvertrag lässt die Marktteilnehmer mit wachsender Unsicherheit zurück, was ihre Investitionen und andere wirtschaftlichen Aktivitäten lähmt.

Aber nicht nur diese. Denn ein Blick in die Vergangenheit seit der Volksbefragung am 23.06.2016 zeigt: Die aktuelle Unsicherheit wird sich auch nach einem Brexit am 31.10.2019 nicht einfach verflüchtigen. Und wirklich zur Beruhigung der Nerven trägt es auch nicht bei, dass die britische Regierung darüber nachdenkt, den 31. Oktober zum „bank holiday“ zu machen, wie Brexit-Minister Michael Gove mitteilte. Damit blieben die Banken geschlossen.

Das britische Pfund hat auf die steigende Wahrscheinlichkeit eines No-deal-Brexits mit anhaltender Schwäche reagiert und ist gegenüber dem Euro bis an das Top vom August 2017 gestiegen. Eine anhaltende Unsicherheit dürfte bald dazu führen, dass sich das britische Pfund wieder den Kursen nähert, die es in der Finanzkrise 2008/2009 erreichte. Damals lag der Höchstkurs im Dezember 2008 bei 0,9849.

 

Pfund in Euro

 

Aufgrund der hohen Offenheit der britischen Volkswirtschaft ist in diesem Fall mit einem Anstieg der Inflation bei gleichzeitiger Rezession zu rechnen. Ob daraus eine Stagflation wird oder nicht, wird sich zeigen. Bis dahin steigt mit dem schwachen Pfund die preisliche Wettbewerbsfähigkeit britischer Exporte. Aus dieser Sicht ist es also noch lange nicht ausgemacht, ob es mittelfristig Großbritannien schlechter ohne die EU geht. Wohl schlechter ohne substanzielle bilaterale Handelsverträge. Diese dürften aber nur eine Frage der Zeit sein. Bis dahin sind die Lasten des Anpassungsschocks nicht gleichverteilt.

Das dürfte insbesondere die USA interessieren. Denn beide Staaten arbeiten derzeit an einem Freihandelsabkommen, und US-Präsident Trump hat sich klar für eine Loslösung des Vereinigten Königreiches und eine engere Anbindung an die USA ausgesprochen. Denn die USA sind inzwischen für Großbritannien der größte Exportmarkt. So haben die USA in dem im April 2019 abgelaufenen Finanzjahr Deutschland als Großbritanniens größten Importeur erstmals knapp überholt.

 

USD und Pfund

 

Man kann also damit rechnen, dass die USA die große strategische Lücke, die mit dem Brexit gerissen wird, versuchen handelspolitisch zu nutzen. Ob man das in Brüssel wohl bedachte, als man das Vereinigte Königreich an die Wand verhandelte? Einstweilen wird das Pfund auch gegen den US-Dollar immer schwächer. Im Lichte der Interessenlage dürfte US-Präsident Trump den englischen Premierminister wohl kaum als Währungsmanipulator abstempeln.

Was aber bleibt, ist die Kombination eines schwachen Pfundes und eines starken Goldpreises, was im Ergebnis dazu geführt hat, dass das Gold in Pfund ein neues Allzeithoch erreicht hat. Das ökonomische Fieberthermometer auf der Insel steigt also.

 

Gold in GBP

 

Fazit: Das britische Flugzeug steuert auf eine Gewitterwand zu, die es wohl nicht mehr umfliegen kann. Nicht alle Passagiere haben Gurte, weshalb die Turbulenzen wohl einige durch das Flugzeug schleudern werden. Was es allerdings gar nicht gebrauchen kann, ist ein zusätzlicher Strömungsabriss mit dem Risiko, dass eine Tragfläche (Schottland) beschädigt wird oder im Flugzeug Feuer ausbricht (Nordirland). Man kann also nur hoffen, dass, wer auch immer das Flugzeug steuert, er dies verhindern kann.

 

09.08.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de




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