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Osteuropa und das Gold

Goldene Stabilität für Osteuropa

 

Könnte es sein, dass in den Zentralbanken auch manchmal einige Entscheider vor der Charttechnik des Goldes sitzen und versuchen, die für die Bank bestmögliche Schlussfolgerung daraus zu ziehen? Mag sein, manchmal reicht es aber auch, einfach in der Zeitung über andere Zentralbanken zu lesen, die entweder mit dieser oder einer anderen guten Begründung die Gewichtung ihrer Reserve-Assets zugunsten von Gold ändern.

Es erstaunt aber doch, wie offen die Zentralbank der Niederlande im Oktober über die Rolle von Gold in ihrer Szenarioanalyse schrieb: ,, Falls es zu einem Systemkollaps kommen sollte, so können die weltweiten Goldbestände dazu dienlich sein, um das System wieder neu aufzubauen. Gold gibt Vertrauen in Stabilität der Bilanzbücher der Zentralbank. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit." Die Zentralbank der Niederlande besitzt mehr als 612,5 Tonnen Gold und liegt auf dem neunten Platz der weltgrößten Goldbesitzer.  

Und wer auch nur die drei roten Linien im Goldpreischart sieht, erkennt ohne viel Mühe, dass der gebrochenen Nackenlinie bei rund 1375 Dollar im Sommer 2019 das Überwinden der Abwärtstrendlinie im August 2017 vorausging und nun wenig struktureller Gegenwind bis zum Allzeithoch von 1920.94 Dollar vom September 2011 besteht. Dass die Notenbanken durch ihre lang anhaltenden Niedrigzinsen und exzessive Geldschöpfung einen bedeutenden Anteil an dem Aufwärtspotenzial von Gold haben, liegt dabei auf der Hand. Aber das heißt eben noch lange nicht, dass man sich als Zentralbank nicht vor den ökonomischen Folgen seiner eigenen Politik schützt!

 

Goldpreis

 

In den vergangenen Wochen mehrten sich dabei die Nachrichten, nach denen osteuropäische Staaten verstärkt ihre Goldreserven aufstocken und diese ins Inland zurückholen. Bereits seit Jahren stocken die Zentralbanken Russlands und Chinas ihre Goldbestände stetig und in großem Umfang auf. Es ist deshalb auch keine Überraschung, dass die osteuropäischen Notenbanken ihre Devisenreserven ebenfalls stärker diversifizieren wollen. Von geopolitischen Spannungen, einer Abschwächung der Konjunktur oder einem andauernden Handelskonflikt, der sich möglicherweise zukünftig viel stärker auf Europa auswirkt als bisher, mal ganz abgesehen.

Polen machte nun wie zuvor Ungarn Nägel mit Köpfen, denn Ansprüche auf Gold sind eben noch kein faktischer Besitz. Und so holte Polen 100 Tonnen seiner in London liegenden Goldreserven nach Polen zurück. ,,Das Gold symbolisiert die Stärke des Landes‘‘, sagte der polnische Zentralbankgouverneur Glapinski. Der Trend, das Edelmetall nach Hause zu schaffen, würde sich fortsetzen, wenn die ,,Reservesituation günstig ist", wobei das Ziel sei, zumindest die Hälfte der polnischen Goldreserven im Land gelagert zu lagern. Polen erwarb in den letzten 24 Monaten 125 Tonnen Gold und steigerte seinen Goldbestand damit auf 228,6 Tonnen.

 

Goldbarren

Bildnachweis: © EMH Service GmbH

 

Und Ungarn, dessen Regierung deutlich russland- und chinafreundlicher ist als die meisten EU-Staaten und die EU selbst, steigerte schon zuvor seine Goldbestände. 2018 verzehnfachte die Bank von Ungarn ihre Goldreserven, wenn auch von einem niedrigen Niveau. Dass Osteuropa in den Köpfen einiger Strategen immer noch eine Pufferzone zwischen den geostrategischen Konkurrenten EU einerseits sowie Russland und China andererseits ist, sollte zumindest erwähnt werden. Ein Blick in die Slowakei diesbezüglich reicht, wo der ehemalige Premierminister Fico das Parlament aufforderte, die Zentralbank zur Rückverlagerung sämtlicher in Großbritannien lagernder Goldreserven zu veranlassen. Begründung? Manchmal könnte die Slowakei von internationalen Partnern betrogen werden, und Fico erinnerte an das Münchener Abkommen vom September 1938. Und auch die Weigerung der Bank von England, aufgrund von Zweifeln an der Legitimität der venezolanischen Regierung das Gold Venezuelas nicht zurückzuführen, ist ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl.

Und ob nun mit oder ohne Anruf aus dem Kreml vom slawischen Blutsbruder, auch Serbien dürfte zukünftig mehr Gold kaufen. Der serbische Präsident Vucic wies die serbische Notenbank an, mehr Gold zu kaufen, was sie auch umgehend tat und ihre Goldbestände im Oktober um 9 Tonnen aufstockte. Vergangene Woche sagte Vucic dann, dass noch mehr gekauft werden solle, denn die Regierung Serbiens sähe ja, in welche Richtung sich die Krisen in der Welt bewegen.

 

Fazit

 

Gold sei ein Symbol, sagte Vucic zuletzt in Zagreb. Denn wenn Staaten Gold kaufen, betrachteten die Menschen es weltweit als ein Zeichen ökonomischer Souveränität.

Selbst, wenn man nicht so skeptisch ist wie der serbische Präsident, so war es bisher keine schlechte Idee, nicht nur Goldeigentümer zu sein, sondern auch Goldbesitzer. Der lange Schatten der Geschichte verliert sich eben nicht so einfach. Oder man ist einfach ein Fan der Charttechnik. Das würde mittelfristig wohl auch reichen.

 

29.11.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 




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