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Was sagt der Zink- und Nickelpreis?

Haben sich Zink und Nickel schon den Coronavirus eingefangen?

 

Aufgrund der exponentiell zunehmenden Infektionsfällen durch den neuartigen Corona-Virus ergreift die Regierung Chinas immer neue drastische Maßnahmen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Hierzu gehört inzwischen auch außerhalb der Stadt Wuhan eine Beschränkung des Personenverkehrs. Die damit einhergehenden Bremsfaktoren für das Wirtschaftswachstum sind derzeit allerdings noch nicht abzusehen.

Die Rohstoffmärkte aber haben ihre eigenen Ansichten und haben die Basisrohstoffe Kupfer, Zink, Blei und Nickel bereits deutlich zurückgestuft. Aber auch viele andere Rohstoffe, bei denen China Hauptabnehmer oder einer von ihnen ist, neigen nun schon sein Tagen zur Schwäche.

Gerade erst hat eine Analyse der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gezeigt, dass China das wichtigste Rohstoffland der Welt bleibt. Die Daten zu den weltweiten Vorkommen und der Produktion mineralischer Rohstoffe per 2017 zeigen, dass China weiterhin der mit Abstand bedeutendste Produzent von Rohstoffen (124 Mrd. USD, 18 % Weltmarktanteil) und Raffinerieprodukten (920 Mrd. USD, 50 % Weltmarktanteil) ist.

 

Walzanlage

Bildnachweis: © Schmolz + Bickenbach AG


Neben der Nachfrageseite, bei der China eine bedeutende Rolle spielt, ist aber auch der Einfluss der Angebotsseite nicht zu unterschätzen. Er kann sich im aktuellen Fall gegenläufig und damit ausgleichend auf den Weltmarktpreis auswirken oder verstärkend.

Im Fall von Nickel ist der Weltmarkt insbesondere gegenüber Nachrichten aus Indonesien sensibel, worüber wir schon mehrfach berichtet haben. Nun teilte Indonesien mit, dass die Produktion von Nickelerz im vergangenen Jahr bei 52,8 Mio. Tonnen lag, was einer massiven Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dies dürfte das Sentiment am Markt beeinflussen, auch wenn das Land mit seinem zum Jahresbeginn geltenden Exportverbot diesem Ausfuhrtrend entgegenwirkt. Es sollte allerdings in Betracht gezogen werden, dass Indonesien eine Internalisierung der Wertschöpfungskette bei Nickel verfolgt, welche nicht per se auf eine Ausfuhrbeschränkung zielt. Es ist also bei einem Erfolg dieser außenwirtschaftlichen Strategie damit zu rechnen, dass die Ausfuhren von hochwertigerem Nickel aus Indonesien steigen wird.

Von der steigenden Risikoaversion der Investoren war auch Zink betroffen. Zuletzt berichtete die  International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) über eine Unterversorgung des globalen Zinkmarktes von Januar bis November 2019. Allerdings hat sich das Defizit auf 170.000 Tonnen verkleinert. Diese Entwicklung dürfte sich kurzfristig fortsetzen. Aufgrund einer merklichen globalen Produktionsausweitung soll der ILZSG zufolge in diesem Jahr ein relativ hoher Überschuss entstehen.

 

Zink und Nickel

 

Ein Blick auf die Entwicklung von Zink und Nickel zeigt, dass der Rückgang des Nickelpreises relativ zu jenem von Zink deutlich stärker ist. Allerdings war auch der Preisanstieg im Zuge der Ankündigung Indonesiens über einen vorgezogenen Exportstopp höherwertigen Nickelerzes im Herbst 2019 größer. Damit hat sich das bei Nickel eingepreiste Versorgungsrisiko derzeit wieder zu einem großen Teil ausgeglichen.

 

Fazit

 

China hat einen bedeutenden direkten und indirekten Einfluss auf viele Basisrohstoffe. Die aktuelle Antizipation zukünftiger Angebots- und Nachfragemengen und die zugehörige Zahlungsbereitschaft stehen allerdings derzeit völlig im Erwartungsnebel. Wir erwarten bei einer Ausbreitung der Corona-Virus-Pandemie ein verstärktes Entgegensteuern der Behörden weltweit, was massive geldpolitische Interventionen mit einschließt.

 

29.01.2020 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de

 






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