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BÖRSE TO GO - mit Roche, RTL und Wirecard

Wir blicken schon voraus

 

Guten Morgen,

diese Woche hatte es wahrlich in sich und wenn die Welt zum Stillstand gebracht werden soll, zählt eben nur Cash. So und nicht anders sind die Reaktionen an allen Märkten dieser Welt zu erklären. In diesem Fall wird alles liquidiert, teilweise natürlich auch aus einer gewissen Not heraus. Da greifen die einen Mechanismen in die anderen und das Ganze endet dann in einer Kettenreaktion, deren Ende abgewartet werden sollte. Denn das klügste, was ein Anleger in diesen Tagen machen kann, ist genau das, was wir hier bereits ausgerufen hatten: Finger weg von allem! Was im Depot ist, bleibt dort, was reingehört, bleibt ein Thema des Frühlings.

Die Wirkung dieser Kettenreaktion erklärt denn auch den Preisverfall bei dem vermeintlichen sicheren Hafen Gold und anderen Edelmetallen: Mit Gold kann man nicht einkaufen gehen und wenn das eigene Geschäft stillsteht, werden eben auch Goldreserven verkauft, um über die Runden zu kommen. Schmuck steht derzeit nicht hoch im Kurs, weshalb die asiatische Goldnachfrage auch hier ihre Spuren hinterlässt. Am Ende des Tages zählt auch bei den Edelmetallen allein die Psychologie.

 

Kompass

Bildnachweis: © Fotograf - Absolutvision

 

Der Psychologe wäre in diesen Tagen auch am Aktienmarkt wohl der bessere Ratgeber. Die Abschläge sind eine Mischung aus den Erfahrungen der Jahre 2003 und 2007/08 und auch die Kommentare dazu klingen ähnlich. Hierin spiegelt sich in erster Linie Unwissenheit und Ohnmacht gegenüber der Lage wider und die Geräuschkulisse erreicht mittlerweile einen Pegel, der einer vernünftigen Diskussion entgegenwirkt. Es ist gegenwärtig auch sinnlos und wenig zielführend, die Bewegungen zu erklären oder zu analysieren, denn im Hintergrund eines jeden Kursabschlags stecken eine Vielzahl von Ursachen: Stopp-Loss-Orders, Leerverkäufe, Panik, regulatorisch notwendige Verkäufe, Umschichtungen, Liquiditätsbeschaffung, Notverkäufe, etc., etc.

 

Die Welle läuft

 

Folge: Während in China die Corona-Welle täglich weiter abflacht und langsam wieder der Alltag aufgenommen werden kann, befinden sich die USA und Europa genau dort, wo sich die Chinesen vor einem Monat befanden. So ist abzusehen, dass wir uns derzeit nah an der Spitze befinden und die Märkte reagieren entsprechend. Reiseverbote in die USA und ähnliches tragen natürlich nicht dazu bei, die Lage zu beruhigen, sondern dienen nur dem eigenen Interesse der Politiker, sich als „Macher“ zu präsentieren. Nicht vergessen, auch hier geht es allein um die nächste Wahl!

Immerhin: Die Entscheidung der EZB, nichts zu tun, ist richtig! Die Zentralbank hat die alleinige Aufgabe, für die Stabilität der Banken zu sorgen und eine Zinssenkung wäre da wohl weniger hilfreich. Und die Banken stöhnen zwar unter den Folgen der volkwirtschaftlichen Vollbremsung, aber von einer neuen Finanzkrise kann noch keine Rede sein. Auch hier gilt es klar zu unterscheiden.

 

ROCHE bringt Corona-Schnelltest

 

Auch bei den Unternehmensmeldungen bleiben wir beim Thema Corona. Wie der Schweizer Pharmakonzern ROCHE berichtet, ist ihm ein erster Durchbruch bei der schnellen Diagnose des Coronavirus geglückt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat diesen Test nun sogar eine Notfall-Zulassung erteilt. Damit ist der Test in allen Märkten verfügbar, die eine so genannte CE-Kennzeichnung akzeptieren, also auch Deutschland. Der besondere Vorteil dieses Testverfahrens: Damit sollen Krankenhäuser und Labore die Möglichkeit haben, auch große Mengen an Tests durchzuführen, da entsprechende Ergebnisse schon nach dreieinhalb Stunden vorliegen sollen. Bislang gab es ja diesbezüglich durchaus einen Engpass.

Etwas schnell zu testen heißt es natürlich noch lange nicht zu kurieren. Dieser Wettlauf läuft noch. Dennoch zeigt es, dass die Pharma- bzw. Biotechbranche bei der Behandlung neuartiger Krankheiten weiterhin eine entscheidende Rolle spielt. Das heutige Plus bei ROCHE geht voll in Ordnung deshalb. Allerdings halten wir uns angesichts der immer noch unklaren Marktsituation mit einer konkreten Empfehlung zurück.

 

RTL als Dividendenperle

 

Zahlen zum vergangenen Jahr lieferte der TV-Konzern RTL GROUP. Das Unternehmen konnte zwar seine Umsätze um 2,2 % auf 6,6 Milliarden Euro steigern. Allerdings ging der operative Gewinn (EBITA) um 1,3 % auf 1,16 Milliarden Euro zurück. Wie das aktuelle Ergebnis für dieses Jahr aussehen wird, da hält sich RTL vorerst eher zurück, denn man kann selbst die Folgen der Coronavirus-Epidemie nicht richtig einschätzen. Die aktuelle Schätzung geht davon aus, dass der Konzern in diesem Jahr ein organisches Umsatzwachstum von 2-3 % erreichen kann. Der Gewinn soll allerdings bis zu 7 % rückläufig sein, weil man insbesondere in das Streaming-Geschäft massiv investieren will.

Das reicht allerdings den Anlegern heute, um der Aktie ein vernünftiges Plus von über 3 % zu geben. Zumal RTL eine echte Dividendenperle ist. Denn der Konzern hat angekündigt, wie auch im Jahr zuvor den Aktionären eine Dividende von 4 Euro je Aktie ausschütten zu wollen. Auf Basis der aktuellen Kurse ergibt das eine Dividendenrendite von fast 13 %. Wer hier eine entsprechende Strategie verfolgt, sollte wissen, dass RTL seine Hauptversammlung (und damit der Stichtag für die Dividendenberechtigung) für den 22. April plant.

 

Kursverlauf RTL

 

WIRECARD gibt Entwarnung

 

Und es gibt auch mal wieder Neuigkeiten von WIRECARD. Der komplette Bericht zur Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfer von KPMG liegt zwar noch nicht vor. Doch wie WIRECARD mitteilte, seien die Untersuchungen weitestgehend abgeschlossen. Aus den Zwischenmitteilungen hätte es keine „substantiellen Feststellungen“ gegeben, die eine Korrektur der Bilanzen für die Jahre 2016-2018 nötig machen würden. Aktuell läuft allerdings noch eine Überprüfung der sogenannten Dritt-Partnergeschäfte, die bis zum 22. April abgeschlossen sein sollen. Deshalb will WIRECARD seine Jahresbilanz auch erst am 30. April (statt bisher geplant 8. April) vorlegen.

Die Börse interpretiert dies als eine wichtige Entwarnung gegenüber den Vorwürfen, wie sie regelmäßig durch die britische Financial Times geäußert werden. Deshalb gibt es heute an der Börse einen Aufschlag von über 8 %. Allerdings gilt auch hier: Aktuell darf das aus technischer Sicht noch nicht überbewertet werden.

 

13.03.2020 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de

 









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