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BÖRSE TO GO - mit Tesla, Nvidia und Wirecard

Berichtssaison liefert noch weitere Höhepunkte

 

Guten Morgen,

zwei Schritte vor, einen zurück – aber in der Tendenz weiter nach oben. Das ist das Beste, was in diesen Tagen erwartet werden kann, denn die Unsicherheit betreffend der Lage in China kann nur langsam verdaut werden. Zudem wird so die Entstehung einer Sorglosigkeit vermieden, was für einen weiteren Trendverlauf wichtig ist. Nichts ist schlimmer als die nackte Unbekümmertheit. Solange das der Fall bleibt, sollte der Blick unverändert den Unternehmenszahlen gewidmet bleiben:

 

TESLA: Seltenes Schauspiel

 

Wir geben zu: Ein vergleichbares Ereignis ist uns in 30 Jahren Börsentätigkeit noch nicht begegnet. Ein börsennotiertes Unternehmen kündigt eine Kapitalerhöhung an – und der Kurs steigt um 6%. Die Rede ist, na klar, von TESLA. Dieser Schachzug hätte wohl besser nicht geplant werden können. Noch am Morgen des selbigen Tages wurde bekanntgegeben, dass TESLA in diesem Jahr Investitionsausgaben i.H.v. 3,5 Milliarden Dollar plant, um weitere Modelle zur Marktreife zu bringen und neue Fabriken zu planen und bauen. 

 

Tesla Lenkrad

Bildnachweis: © Fotograf - Bram van Oost

 

Dann folgte die Ankündigung der KE – erst schluckte die Börse, dann aber wurde klar: Sämtliche Bedenken hinsichtlich der Bilanzqualität des Unternehmens werden damit aus der Welt geschafft. TESLA erwartet über die KE ca. 2,3 Milliarden Dollar einzusammeln, was vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Stimmung zu TESLA kein Problem darstellen sollte. Der Speed, mit dem TESLA in diesem Jahr punktet, nimmt der Konkurrenz den Atem. 

Denn: Der E-Pionier entdeckt die Skalierbarkeit im Fabrikbau. Wenn es TESLA gelingt, innerhalb der kommenden 3 Jahre neben Brandenburg und China weitere Fabriken in Texas oder anderen Standorten hochzuziehen, dann werden bis 2024 wohl über 2 Millionen Einheiten / Jahr produziert werden können. Und: Kein Autobauer weltweit sammelt derzeit mehr Daten über seine Fahrer als TESLA! Und Sie wissen: Daten sind die Währung, die zählt.

 

NVIDIA liefert

 

Eine weitere Erfolgsaktie: NVIDIA überzeugt mit soliden Zahlen und unterstreicht damit unsere Einschätzung vom Herbst 2019 hinsichtlich der Bedeutung der Halbleiter. Die Aktien des Halbleiterunternehmens stiegen im erweiterten Handel um 6%, nachdem das Unternehmen Ergebnisse für das vierte Quartal gemeldet hatten welche die Schätzungen der Analysten übertrafen. 

NVIDIA meldete einen Gewinn von 1,89 Dollar je Aktie ohne einige Umsatzposten von 3,11 Milliarden USD, während die Analysten laut Refinitiv einen Gewinn von 1,67 USD je Aktie bei einem Umsatz von 2,97 Milliarden Dollar erwartet hatten. NVIDIA reduzierte allerdings auch seine Umsatzaussichten für das erste Quartal 2021 aufgrund des Coronavirus um 100 Millionen Dollar. Wir genießen die Fahrt bis knapp 300 Dollar und entscheiden dann, wie es weitergeht.

 

WIRECARD: Die Zahlen sind da

 

Am deutschen Markt steht zum Wochenschluss natürlich vor allem eine Aktie im Mittelpunkt: WIRECARD. Der Zahlungsdienstleister präsentierte seine Zahlen zum vierten Quartal 2019 wie auch zum Gesamtjahr und konnte dabei auf ganzer Linie überzeugen.

So konnte das Unternehmen im Abschlussquartal noch mal an Tempo zulegen und den Umsatz um 46% auf 835 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn auf Basis EBITDA kletterte nach vorläufigen Zahlen um 41% auf 232 Millionen Euro und wenn man die Ergebnisse um Kosten aus Beratungs-, Prüfung- und Rechtsberatungsleistungen bereinigt, hätte WIRECARD sogar 241 Millionen Euro verdient. Damit wies WIRECARD für das Gesamtjahr ein Umsatzplus von 38% auf 2,8 Milliarden Euro und ein EBITDA von 785 Millionen Euro, ein Plus von 40% aus. Mit diesem Zahlen konnte man im Großen und Ganzen die Markterwartungen treffen bzw. sogar überbieten.

Auch für das neue Geschäftsjahr gibt sich WIRECARD optimistisch. So soll das EBITDA auf 1-1,12 Milliarden Euro ansteigen. Der aktuelle Marktkonsens liegt bei 1,07 Milliarden Euro. Dennoch zeigt sich die Aktie heute eher mit Verlusten. Was hauptsächlich darauf zurückgeführt wurde, dass angeblich die Profitabilität nicht mit dem Umsatzwachstum Schritt gehalten habe. Aus unserer Sicht ist das eher Erbsenzählerei.

Wohl wahrscheinlicher ist es, dass sich am Ende doch einige Anleger enttäuscht zeigten, dass Vorstandschef Markus Braun nichts zu der Sonderprüfung durch KPMG sagte. Zwar hatte das Unternehmen bislang immer kommuniziert, dass man mit den entsprechenden Ergebnissen erst Ende März aufwarten möchte. Doch nachdem Braun ja erst vor kurzem die Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen um 14 Tage nach hinten verschoben hatte, hatten sich einige Investoren natürlich Hoffnungen gemacht, dass es hier doch erste Hinweise auf das Ergebnis geben könnte.

Im Fazit: Operativ gibt es aus unserer Sicht an WIRECARD kaum etwas zu kritzeln. Die Tatsache, dass allerdings immer noch nicht die Sonderprüfungs-Ergebnisse auf dem Tisch liegen, dürfte die Aktie weiterhin ausbremsen. Deshalb bleibt es bei unserer bisherigen Empfehlung, erst einmal abzuwarten.

 

Kursverlauf Wirecard

 

Und noch zwei Kurznachrichten

 

Die Optikerkette FIELMANN verliert heute fast 7%, nachdem Analysten der Privatbank Berenberg die Aktie von Halten auf Verkaufen zurückgestuft hatten. Begründet wurde dies mit den wachsenden Herausforderungen im Optik-Einzelhandel. Außerdem sehe man hier weiteren Margendruck sowie einen belasteten Cashflow aus nötigen hohen Investitionen. Charttechnisch entscheidend dürfte trotz des heutigen Absackens wohl erst die Unterstützungszone bei 68,50 Euro werden. Wer also investiert es, sollte wohl hier noch etwas Geduld zeigen.

In der nächsten Woche gibt es eine Veränderung im SDAX. Denn nachdem die Übernahme der Immobiliengesellschaft TLG IMMOBILIEN durch AROUNDTOWN erfolgreich verläuft, werden die Titel von TLG am 18. Februar den SDAX verlassen. Nachrücken wird LPKF LASERELECTRONICS. Wir werden uns in der kommenden Woche diese Aktie noch etwas genauer anschauen.

 

14.02.2020 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 









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