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BÖRSE TO GO - mit Alcon, Zur Rose und Alibaba

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Neue geldpolitische Weichenstellung in China

 

Guten Morgen,

eigentlich ist alles gesagt: Die Märkte warten auf den Termin der Woche, das Treffen der wichtigsten Notenbänker und Geldpolitiker im amerikanischen Jackson Hole. Dort könnte sich entscheiden, wie in den kommenden Monaten die Börse läuft, wenn Fed-Chef Jerome Powell seine Perspektiven für die amerikanische Geldpolitik erklärt.

Währenddessen tut sich auch am sprichwörtlichen anderen Ende der Welt etwas. Denn China hat einen neuen Referenzzinssatz. Dieser beruht auf Geboten von ausgewählten Geschäftsbanken und stellt die Zinskonditionen für einjährige Kredite dar. Die sogenannte Loan Prime Rate (LPR) startet dabei mit einem Zinssatz von 4,25 % und damit einen Tick weniger als die bisherigen Benchmarks. Was ist das spannende an dem neuen Referenzzins?

Mit der neuen LPR soll der bisherige Leitzinssatz schrittweise abgelöst werden mit dem Ziel, dass die Notenbank mit einem flexibleren und vor allem eher markt-beeinflussten Leitzins arbeiten kann. So sollen sich künftig die Konditionen für Firmen- und Immobilienkredite stärker an den Zinsen orientieren, die in den Offenmarktgeschäften der Zentralbank aufgerufen werden. Sprich: Die Notenbank möchte mehr Einfluss auf die Marktzinsen erhalten, ohne im täglichen Geschäft zu große Aufmerksamkeit zu erregen. Man darf gespannt sein, wo und wie sich hier auch die politischen Steuerungsmechanismen einordnen werden.

 

Zum Unternehmenssektor

 

Während in den meisten Märkten die Berichtssaison inzwischen abgehakt ist, dreht Zürich noch einmal auf. Gleich mehrere Unternehmen berichteten heute über die Ergebnisse des letzten Quartals bzw. des ersten Halbjahres. Wir haben hier einmal zwei Werte aus unserer Dispositionsliste vom Zürcher Trend herausgegriffen. Den Anfang macht der Augenspezialist ALCON.

Dieser hatte im zurückliegenden zweiten Quartal seinen Umsatz um 2 % auf 1,86 Milliarden Dollar steigern können. Wechselkursbereinigt ergab sich sogar ein Zuwachs um 5 %. Allerdings verlor das Unternehmen unter dem Strich 390 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 15 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Doch das dürfte bei der Analyse kaum ins Gewicht fallen. Denn der Verlust kam insbesondere durch erwartete Abschreibungen im Rahmen der Abspaltung vom Pharmakonzern Novartis zustande. Für das Gesamtjahr hält ALCON dagegen am Ausblick fest. Wechselkursbereinigt rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum zwischen 3-5 %, die bereinigte Marge soll zwischen 17 und 18 % liegen.

Jedoch steht nicht alles zum Besten. Denn sowohl Kern-EBIT als auch Kern-Gewinn gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. So fiel der Betriebsgewinn um 3 % auf 310 Millionen Dollar, die Marge verringerte sich von zuvor 17,2 % auf 16,6 %. Was nichts anderes heißt, dass ALCON im zweiten Halbjahr hier noch einmal draufsatteln muss, um die Ziele zu erreichen. Ehe es hier nicht etwas mehr Sicherheit gibt, dürfte sich der Markt wohl eher zurückhalten. Allerdings rechnen wir in der Aktie nicht mit wesentlichem Abgabedruck, sondern mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung im Bereich von 57-62 Franken. Deshalb bestätigen wir unsere Halten-Empfehlung.

 

Kursverlauf Alcon

 

ZUR ROSE wird vorsichtiger

 

Zahlen gab es auch von der Versandapotheke ZUR ROSE. Diese ist im ersten Halbjahr stark gewachsen, was insbesondere der Übernahme  der Versandapotheke Medpex zu verdanken ist. So konnte der Gesamtumsatz um 28 % auf 772 Million Franken zulegen. Ohne Medpex hätte sich ein Wachstum um 10,9 % ergeben. Trotz des starken Umsatzzuwachses blieb das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr weiter mit 2,4 Millionen Franken im negativen Bereich, stellte allerdings doch eine wesentliche Verbesserung gegenüber den -9 Millionen Franken aus dem Vorjahr dar. Netto verlor ZUR ROSE 17,1 Millionen Franken.

Das wäre nicht weiter schlimm, allerdings zeigt sich ZUR ROSE, bezogen auf das Gesamtjahr, inzwischen deutlich vorsichtiger. Zwar geht man weiterhin von einem Umsatzwachstum von rund 30 % aus. Doch beim EBITDA rudert man etwas zurück. So soll die Marge mindestens -1 % erreichen. Zuvor hatte ZUR ROSE von einem ausgeglichenen Ergebnis gesprochen. Insofern könnte die Aktie kurzfristig wieder unter etwas stärkeren Druck geraten. Wir würden allerdings im Bereich von 87,01 Franken Unterstützung sehen. Deshalb korrigieren wir unseren bisherigen Stopp-Loss auf 86,50 Franken und raten zum weiteren Halten.

 

Verschiebt ALIBABA den Börsengang?

 

Weg von den Zahlen. In Fernost schlagen die Proteste in Hongkong immer größere Wellen, auch bei dortigen Unternehmen. Das dürfte jetzt aktuell den Internetgiganten ALIBABA betreffen. Wie entsprechende Quellen berichten, soll ALIBABA seinen Plan, ein zweites Listing in Hongkong Ende August durchzuführen, erst einmal verschoben haben. Ursprünglich war hier geplant, bis zu 15 Milliarden Dollar einzunehmen. Nun soll als neuer Termin frühestens Oktober feststehen, aber nur, wenn die derzeitigen Unruhen beendet wären.

Nachzuvollziehen ist das schon. Allerdings sollte dieser Börsengang auch dienen als Test für die Stimmung und wirtschaftlichen Konditionen in der ehemaligen Kronkolonie und damit natürlich auch auf dem chinesischen Festland. Mit der wahrscheinlich in Kürze bestätigten Verschiebung dürfte es für die ALIBABA-Aktie kurzfristig schwierig werden wie auch für andere chinesische Aktien, insbesondere aus dem Internetsektor. Wir würden derzeit entsprechende Positionen halten, aber natürlich auch auf die entsprechenden Stopp-Loss achten.

 

21.08.2019 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 






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