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BÖRSE TO GO - mit AMS - Osram, SAP und Wirecard

Berichtssaison geht in die Vollen

 

Guten Morgen,

das Wochenende hat in allen derzeit diskutierten geopolitischen Fragen noch keine Lösung gebracht. Das gilt trotz der vereinbarten brüchigen Waffenruhe für den Türkei-Kurden-Konflikt im Norden Syriens. Das gilt auch für den Handelsstreit und erst recht für den Brexit. Bei letzterem hätten wir im Vorfeld schon darauf wetten wollen, dass die für Samstag angekündigte Abstimmung im britischen Parlament erneut eine Luftnummer werden würde, nachdem dieser Tag als „Super-Samstag“ hochstilisiert wurde. 

Denn eigentlich müsste nach den vielen Monaten parlamentarischer Auseinandersetzungen klar sein, dass die britischen Abgeordneten im Unterhaus anders ticken als es sich insbesondere die europäischen Zaungäste vorstellen. Dass Premier Boris Johnson dachte, hier mit fliegenden Fahnen einen Sieg davonzutragen, war wohl seiner eigenen Hybris zu verdanken. Mal sehen, wie sich die weitere Woche diesbezüglich gestaltet. Angeblich könnte es schon am heutigen Montag zu einer Abstimmung über den neuen Brexit-Deal kommen.

Abseits von den ganzen politischen Spekulationen müssen sich die Marktteilnehmer aber auch mit handfesten Fakten auseinandersetzen, und die finden sich derzeit in der laufenden Berichtssaison. Die vor uns liegende Woche gehört dabei zu den intensivsten, wobei Dienstag bis Donnerstag die Liste der berichtenden Unternehmen im in und Ausland besonders umfangreich sein wird.

 

AMS startet neuen Versuch

 

Zum Wochenstart wieder auf dem Programm steht der Übernahmeversuch bei OSRAM. Denn der österreichische Halbleiterspezialist AMS hat nach nur wenigen Tagen einen neuen Anlauf gestartet. Der  angebotene Preis je OSRAM-Aktie bleibt bei 41 Euro. Allerdings hat AMS die Mindestannahmeschwelle gesenkt. Diese lag beim ersten Übernahmeversuch bei 62,5 %, jetzt soll sie bei 55 % liegen.

Das spannendste dabei: Werden die weiterhin interessierten Finanzinvestoren schnell noch eine Gegenofferte aus dem Hut zaubern? Außerdem eine durchaus interessante Überlegung: Beim ersten Versuch hatte AMS bekanntlich bereits knapp 20 % der OSRAM-Anteile über die Börse selbst gekauft. Unter dem Strich kam man dann auf eine Annahmequote von 51,6 %. D.h., dass letztlich hier nur wenige Prozentpunkte fehlen würden für einen Erfolg im zweiten Anlauf. Um aber weiter aufstocken zu können, braucht AMS überraschenderweise die Zustimmung der südkoreanischen Wettbewerbsaufsicht. Womöglich arbeitet man daran schon längst oder hat vielleicht sogar schon Signale aus Seoul bekommen, dass hier grünes Licht gegeben wird.

Jedenfalls bleibt die Sache spannend, allerdings für die AMS-Aktie vorläufig eher eine Belastung, wie das doch deutlichere Minus zum Wochenbeginn zeigt. Denn natürlich wird die Übernahme teuer und nicht wenige Marktteilnehmer sind sich noch im Unklaren, wie  und wie schnell AMS den Übernahmepreis durch Synergie-Effekte und schon im Vorfeld geplante Asset-Verkäufe refinanzieren kann. Da wir nach wie vor in der Übernahme eine industrielle Logik sehen, bleibt es bei unserer Kaufempfehlung für den österreichischen Sensorspezialisten.

 

Kursverlauf AMS

 

SAP landet bei MICROSOFT

 

Eher unentschieden geht es heute bei SAP zu. Der Cloud-Spezialist lieferte heute Morgen die Bestätigung zu den starken vorläufigen Zahlen des dritten Quartals. Präsentiert wurde das endgültige Ergebnis schon von den neuen Co-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein, sie bislang Chefin für die Cloud-Sparte, er Produktvorstand. Und es gibt auch schon einen weiteren Termin. Denn am 12. November will sich das neue Führungsduo den Anlegern auf einem Kapitalmarkttag präsentieren und ihre neue Führungsstrategie aufzeigen.

Aber es gibt auch noch etwas Handfestes bei SAP zu berichten. Denn mit MICROSOFT hat man eine neue Vertriebsvereinbarung geschlossen, in deren Mittelpunkt das Cloud-Geschäft steht. Die SAP-Cloud-Lösungen sollen zukünftig auch über die entsprechenden Vertriebskanäle bei MICROSOFT verkauft werden. Unter dieser Prämisse bleibt es natürlich bei unserer positiven Einschätzung zu dem.

 

Kursverlauf SAP

 

WIRECARD ruft Sonderprüfer

 

Und die tägliche WIRECARD-Meldung: Nach etwas hin und her hat der Zahlungsdienstleister nun erklärt, die neuen Vorwürfe der Financial Times bezüglich angeblich aufgeblähter Umsätze bei den Töchtern in Dubai und Irland durch einen externen Wirtschaftsprüfer klären zu lassen. Dieser Aufgabe fällt nun KPMG zu. Das deutliche Kursplus zum Wochenbeginn bei WIRECARD weist darauf hin, dass die Börsianer sehr zufrieden damit sind, dass WIRECARD diesmal (im Gegensatz zur Singapur-Affäre) sehr offensiv mit den Vorwürfen umzugehen scheint und das schnell vom Tisch haben will. Lesen Sie dazu auch unsere ausführliche Analyse, die Sie HIER abrufen können.

 

Zum Schluss

 

Und noch einen kleinen Schmunzler für den Tag. Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat wohlwollend auf die Wünsche der deutschen Industrie (vor allem des Bundesverbandes BDI selbst) zum Bau eines deutschen Weltraumbahnhofs reagiert. Von dem sollen später einmal kleine Trägerraketen starten können. Das ganze wurde auf dem sogenannten Weltraumkongress des BDI besprochen. An sich ist es ja durchaus eine gute Idee, in der Raumfahrt und ihren industriellen Anwendungen ein Wörtchen mitreden zu wollen. Gerade in der Satellitentechnik hat Deutschland bekanntlich einiges zu bieten. 

Aber Deutschland hat nun mal in den vergangenen Jahren auch immer wieder bewiesen, dass man zum einen beim technologischen Fortschritt weiter zurückfällt, zum anderen kaum in der Lage ist, Großprojekte ohne erhebliche Schwierigkeiten und Verzögerungen (Stichworte BER, Stuttgart 21) zu stemmen. Hier die Idee eines deutschen Weltraumbahnhofs auf die Agenda zu setzen, halten wir doch für arg überspitzt.

 

21.10.2019 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 







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