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BÖRSE TO GO - mit Neuem aus Asien, von Airbus und MTU Aero Engines

Asien zeigt deutliche Zeichen der Entspannung

 

Guten Morgen,

in den kommenden Tagen und Wochen wird die Nachrichtenlage zum Verlauf der Weltwirtschaft zusehends gemischt ausfallen. Darin spiegeln sich die unterschiedlichen Verläufe des Weltvirus in den jeweiligen Regionen wider, geben aber auch Aufschluss darüber, wie der weitere Verlauf aussehen dürfte.

So meldet HAPAG LLOYD heute eine zunehmende Normalisierung der Aktivitäten in den Häfen Chinas. Offensichtlich haben sich die asiatischen Länder schneller vom Schock des Stillstands erholt als vormals befürchtet worden war. Bleibt zu hoffen, dass die Europäer und Amerikaner ebenso schnell reagieren, sobald die Anzeichen einer abflachenden Infektionskurve erkennbar werden. Leider sind die Europäer historisch gesehen immer etwas langsamer, weil eher auf 100% Sicherheit gesetzt wird.

 

Containerschiffe

Bildnachweis: © Fotograf - Nilantha Ilangamuwa

 

HAPAG LLOYD traut sich sogar zur Abgabe einer Prognose für das laufende Jahr, wenn auch unter Vorbehalt. So stellt die weltweit fünftgrößte Containerreederei für 2020 nun ein EBITDA in der Bandbreite von 1,7 Mrd. bis 2,2 (Vorjahr 1,99) Mrd. Euro sowie ein Betriebsergebnis (EBIT) in der Bandbreite zwischen 0,5 Mrd. und 1 Mrd. (Vorjahr 811 Mio.) Euro in Aussicht. Das erklärt auch die sehr robuste relative Stärke der Aktie, die in den letzten Wochen in der Spitze kaum mehr als 25% verloren hatte. Auch der Blick auf den Chart verdeutlicht die Resilienz gegenüber den Corona-Ängsten.

 

Entspannung in Asien geht weiter

 

Auch liegen über das Wochenende Berichte vor, aus denen unverändert die Stabilität der Lieferketten herausgelesen werden kann. Auch das sind gute Zeichen und ein Gegenpol zu den teils hysterischen Prognosen der letzten Wochen. Gewinnen die ökonomischen Aktivitäten in Asien weiter an Fahrt, dürfte sich hier nicht viel ändern.

Die ersten Erholungsansätze werden sich auch in den Lageberichten der anstehenden Berichtssaison in der einen oder anderen Form widerspiegeln. Auch hier wird der Wortlaut gemischt ausfallen – auf der einen Seite werden die Einschläge der Corona-Krise zu nennen sein, auf der anderen Seite der Ausblick für das verbleibende Jahr. Es bleibt abzuwarten und spannend, wie die Börse die einordnet. Unsere Meinung bleibt: Bis Mitte April sieht die Welt schon wieder ganz anders aus!

Bis dahin werden wir uns allerdings wohl daran gewöhnen müssen, dass immer mehr Firmen ihre Prognosen für das laufende Jahr einkassieren. Dass dies gerade gehäuft geschieht, ist angesichts der aktuellen Entwicklungen nachvollziehbar. Denn niemand will sich am Ende auf dem falschen Fuß erwischen lassen, auch wenn man womöglich bereits zum Ausblick nach den Quartalszahlen deutlich optimistischere Töne anschlagen könnte.

 

MTU schließt Werke

 

Bezüglich der Warnungen oder Einquartierung geht es natürlich weiterhin hauptsächlich um die Luftfahrtbranche. So hat MTU AERO ENGINES heute Morgen erklärt, dass man ab Ende März in einigen Werken die Turbinenfertigung einstellen werde. Betroffen davon sind Standorte in München und in Polen, wo aufgrund fehlender bzw. instabiler Materialversorgung die Produktion für die nächsten drei Wochen eingestellt werden soll. Dem folgen dann auch Hannover und Ludwigsfelde, wo hauptsächlich Triebwerke instand gehalten werden. Für beide Bereiche plant MTU mit einer Unterbrechung von drei Wochen. Das handelt der Aktie einen weiteren Abschlag von knapp 10 % heute ein. Nachvollziehbar, aber weiterhin ohne tatsächliche Trendaussage.

 

AIRBUS streicht Dividende

 

Auch AIRBUS tritt nun voll auf die Bremse. Der Luft- und Raumfahrtkonzern hat seine Jahresprognose gestrichen. Auch der Dividendenvorschlag für das letzte Geschäftsjahr ist vom Tisch. Ursprünglich war geplant, den Aktionären eine Dividende von 1,80 Euro je Aktie auszuschütten. Doch das Unternehmen hat jetzt wie viele andere aus dem Bereich voll auf Liquiditätssicherung umgeschaltet. D.h. letzten Endes, dass auch die geplante freiwillige Aufstockung der Rentenfinanzierung ausgesetzt wurde. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen einen neuen Kreditrahmen von 15 Milliarden Euro gesichert. Nach Auskunft von AIRBUS beläuft sich die verfügbare Liquidität damit jetzt auf rund 30 Milliarden Euro.

Damit dürfte der Konzern vorläufig gut abgesichert sein. Dennoch gibt es natürlich eine negative Reaktion an der Börse, die ebenfalls im hohen einstelligen Prozentbereich heute liegt. Aber auch hier gilt: abwarten.

 

23.03.2020 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 









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