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BÖRSE TO GO - mit Markt-Rebound, Thyssenkrupp und E.ON

Börse im neuen Kaufrausch

Guten Morgen,

unsere Vermutung vom vorigen Freitag hat sich bestätigt. Wir hatten die Chancen auf eine technische Erholung als „gut“ bezeichnet und gestern ging es los. Wie immer ist eine Mischung aus vielem: Eindeckungen von Leerverkäufen, verbesserte Stimmung aufgrund der Entschlossenheit der US-Fed, eine gefühlte Spitze der Krise („Schlimmer kann es nicht mehr kommen“) und natürlich Auftritt der Schnäppchenjäger!

Diese Mischung kann es in sich haben! Auch hier zeigt die Erfahrung, was wir immer wieder betont haben: je stärker und rasanter der Fall, desto kräftiger die erste Erholung. Die Börse, das wissen die alten Hasen, kann sich auf dem Absatz drehen und die Vergangenheit blitzschnell hinter sich lassen. Wie weit kann diese erste Reaktion nun laufen?

Im Kern ist es egal. Entscheidend sind zwei Dinge: 1. Jeder sollte mit einem Fuß in der Tür dabei sein. 2. Der Neuaufbau von Portfolios sollte in Schritten erfolgen, also nicht alles auf einmal einsetzen! Denn wir wiederholen es immer wieder: wichtig ist die Überlegung, wo der Markt in 12 Monaten stehen könnte und nicht, was jetzt in den kommenden Wochen für Kollateralschäden entstehen. Ignorieren Sie die Tagespresse! Zudem:

Auf der Spitze der Krise wird es für die Politik wichtig zu sein zu erkennen, wann die Bevölkerung umdenkt! Noch steht die Mehrheit hinter den Sanktionen des Alltags, doch es ist u. E. nur eine Frage der Zeit, bis diese Stimmung dreht. Und sie wird schneller drehen als viele derzeit vermuten, denn die sozialen Einschränkungen und gefühlten Verluste werden das Risiko von Corona sehr schnell überlagern. Wenn die Politik jetzt nicht aufpasst, hat sie im Mai eine handfeste Glaubwürdigkeitskrise an der Hand. Und dann: Gute Nacht Angie!

Fazit: Denken Sie weit! Sehr weit!

 

THYSSENKRUPP mit Fortschritten

 

Ein Börsianer-Sprichwort lautet: „Die Flut hebt alle Boote.“ So auch am heutigen Tag, wo die absolute Mehrheit aller Aktien grüne Vorzeichen trägt. Dennoch stechen hier natürlich immer wieder einige Einzelwerte heraus, so beispielsweise THYSSENKRUPP. Der Industriekonzern, der derzeit bemüht ist, wesentliche Sparten zu verkaufen (unter anderem die Aufzugssparte) hat sich mit den Gewerkschaften auf ein Maßnahmenpaket für die angeschlagene Stahlsparte geeinigt.

Das enthält ein Sofortpaket „Corona-Krise“ wie auch einen Tarifvertrag, mit dem die schon im Dezember vorgestellte Strategie 20-30 umgesetzt werden kann. So ist geplant, bis 2026 rund 3.000 der insgesamt 27.000 Arbeitsstellen in der Sparte abzubauen. Allein 1.000 davon dürften in der Verwaltung entfallen. Im Gegenzug plant THYSSENKRUPP, über die jährlich eingeplanten Investitionen hinaus innerhalb der nächsten sechs Jahre weitere 800 Millionen Euro in die Sparte zu investieren, um diese technologisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Natürlich gibt es noch viele Unklarheiten, so beispielsweise, ob der Vollzug des Verkaufs der Aufzugssparte durch die aktuelle Krise verzögert werden könnte. Darüber hinaus ist vollkommen offen, was mit anderen Tätigkeiten passiert, die derzeit ins Schaufenster gestellt wurden. Dennoch honorieren die Anleger die Fortschritte in der Stahlsparte und geben der Aktie heute ein Plus von derzeit über 18 %. Allerdings gehört THYSSENKRUPP derzeit nicht unbedingt zu unseren Kauffavoriten in der prognostizierten ersten Turnaround-Phase.

 

Kursverlauf Thyssenkrupp

 

E.ON hebt Prognose an

 

Das sieht bei E.ON schon etwas anders aus. Der Energieversorger trumpft heute mit einem erhöhten Ausblick auf. Nachdem man die RWE-Tochter INNOGY übernommen hatte, konnte das bereinigte EBIT im vergangenen Jahr um 8 % auf 3,235 Milliarden Euro zulegen. Damit übertraf man sogar die Analysten-Erwartungen, die bei 3,197 Milliarden Euro gelegen hatten. Außerdem blieb man ohne Probleme in der zuletzt im November angehobenen Konzernprognose für ein Ergebnis zwischen 3,1 und 3,3 Milliarden Euro. Darüber hinaus:

Für dieses Jahr zeigt sich E.ON sehr optimistisch, was weiteres Gewinnwachstum angeht. So soll das EBIT auf 3,9-4,1 Milliarden Euro steigen, der bereinigte Überschuss auf 1,7-1,9 Milliarden Euro. Das ist den Anlegern heute ein Zugewinn von über 10 % wert. 

Es war sowieso absehbar, dass die Versorger im Ausverkauf der letzten Wochen überzogen abgestoßen wurden. Erklärbar sicherlich mit dem Befürchtungen, dass aufgrund des wirtschaftlichen Shutdowns die Nachfrage nach Energie einbrechen könnte. Hier wird es sicherlich auch Spuren geben, die möglicherweise aber durch erhöhte private Abnahmen zumindest teilweise kompensiert werden können. Generell dürften die Versorger beim Hochfahren der Wirtschaft wieder zu den absoluten Profiteuren gehören. Deshalb würden wir E.ON auch als Kauf sehen.

 

Kursverlauf EON

 

25.03.2020 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 









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