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Lotto24: Der starke Arm von Zeal Network

Das Börsenduell

 

Die Geschäfte laufen exzellent bei LOTTO24 (DE000LTT0243). Erneut legte Deutschlands mit Abstand größter Online-Wettanbieter auf 9 Monats-Basis Ergebniszahlen vor, die seinen intakten Wachstumstrend eindrucksvoll unterstreichen. Die kritische Frage nur, nachdem die sehr erfolgreiche Vorstandsvorsitzende von Lotto24, Petra von Strombeck, am 31.12.19 aus ihrem 7 Jahre lang bekleideten Amt ausscheiden wird: Wird die operativ erheblich schwächer aufgestellte Muttergesellschaft ZEAL NETWORK (DE000ZEAL241) den anstehenden Vorstandswechsel nun nutzen, um künftig einen deutlich stärkeren personellen wie strategischen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb von Lotto24 zu nehmen ? Der Beantwortung dieser Frage, die künftig von elementarer Bedeutung für die Perspektiven beider Aktien sein wird, widmen wir uns in dieser Ausgabe des BÖRSENDUELLS.

 

Chart: Lotto24 vs. Zeal Network SE + CDAX-Index

 

Chart: Lotto24 vs. Zeal Network SE + CDAX-Index

 

9 Monats-Zahlen und Geschäftsprofil Lotto24 / Zeal Network im Vergleich

 

So gegensätzlich bislang die Positionierungen von Lotto24 und Zeal Network im Angebot ihrer Wettprodukte waren, so unterschiedlich - und dies schon seit Jahren - fielen auch auf zurückliegender 9 Monats-Basis deren Umsatz- und Gewinnentwicklungen aus.

So konnte LOTTO24 in den ersten 9 Monaten dieses Jahres trotz eines um 2 % gesunkenen Umsatzes – Grund war vor allem eine relativ schwache Jackpot-Entwicklung und dementsprechend geringe Umsatzbeteiligungen von „Dauertippern“ wie speziell Spielgemeinschaften – ihren operativen Gewinn um stolze 27 % steigern.  Garant hierfür waren neben einer hervorragenden Entwicklung der Neukundengewinnung (+ 20 %) vor allem rückläufige Marketing- und Vertriebskosten, die traditionell nahezu zu 100 % positiv mit der Entwicklung der ausstehenden Jackpots korreliert sind.

In völligem Kontrast hierzu stand die 9 Monats-Ergebnisentwicklung der britischen ZEAL NETWORK, die seit Mai 2019 nach Übernahme von über 93 % der ausstehenden Lotto24-Aktien mittlerweile nahezu Alleineigentümerin von Lotto24 ist.

Denn ohne Berücksichtigung ihrer neu erworbenen Lotto24-Anteile brach der Umsatz von Zeal Network auf 9 Monats-Basis um nicht weniger als 41 % ein, und vom operativen Gewinn des Vorjahres (- 65 %) blieb gar letztlich nur noch 1 / 3 übrig! Und genau dies spiegelt auch, nur zu Recht, der aktuelle Aktienkurs von Zeal Network (s. oben) vollauf wider.

Der Hintergrund für diese extrem divergierende Geschäftsentwicklung liegt seit Jahren schlicht und ergreifend einfach im völlig unterschiedlichen Wettangebots-Profil beider Gesellschaften begründet.

Denn während Lotto24 der einzig lizensierte, also monopolistische, Online-Internetvertreiber aller staatlichen Lotterien der 16 deutschen Landeslotteriegesellschaften ist, hat Zeal Network gerade seit ihrer ehemaligen Konzernabspaltung von Lotto24 im Juli 2012 keinerlei direkten, rechtlich genehmigten Zugang zu staatlichen deutschen Glücksspielangeboten mehr!

Mit diesem staatlich regulierten/kontrollierten und daher besonders „vertrauenswürdigen“ Lotterieangebot, entfallend auf bekannte Systeme wie 6 aus 49, Spiel77, Super 6, EuroJackpot, Glücksspirale und die Sportwette Oddset nimmt Lotto 24 in Deutschland aktuell den bei weitem größten Online-Lotterie-Anteil von rd. 35 % ein (Rest: private Lotto- und Glücksspielformate).

Dagegen ist Zeal Network über seine operative Einheit Tipp24 lediglich ein sog. Zweitanbieter auf die staatlichen deutschen Lottoformate, bietet also lediglich die (indirekte) Möglichkeit, auf den Wettausgang dieser staatlichen Lotterieformate zu tippen, verbunden jedoch mit tendenziellen höheren Jackpot-Auszahlungen als bei der direkten staatlichen Lotterieteilnahme.

Bereits diese Art der Umgehung des bisherigen Lizenzverbots von Zeal Network zum Online-Vertrieb der deutschen Lotterieangebote stuft der Gesetzgeber jedoch auch weiterhin als „rechtliche Grauzone“ ein. Hierzu ist zu ergänzen, dass auch genau diese „Flucht“ vor dem deutschen, scharf regulierenden Gesetzgeber ein wesentlicher Grund für Zeal Network war, nach damaliger Abspaltung von Lotto24 im Juli 2012 ihren Geschäftssitz sofort nach London zu verlegen, um von dort aus – neben dem Zweitangebot deutscher Staatslotterien – vor allem aus Großbritannien, Spanien und den USA stammende weitere Lottoformate zu vertreiben.

Diese Verlegung auf ein deutlich regulierungsärmeres Lotteriegeschäft aus Großbritannien heraus verzeichnete für Zeal Network jedoch seit 2012 im Laufe der Jahre seinerseits zunehmende operative Nachteile und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen sind wie schon erwähnt, nicht direkt lizenzierte oder auf private Glücksspielformate fokussierte Wettanbieter zu einer wettbewerbsfähigen Kundengewinnung nahezu dazu „verdammt“, höhere Jackpot-Angebote abzugeben, als vergleichbare staatlich lizensierte Anbieter. Zum anderen steht im genau deshalb so beliebten Glücksspielland Großbritannien Zeal Network seit Jahren unter zunehmender Konkurrenz etabliertester dortiger Traditionsanbieter, wie z. B. GVC Holdings oder William Hill.  Der Nachteil am dortigen Geschäftsauftritt von Zeal Network besteht jedoch auch darin, dass Zeal Network dort bislang keinerlei Sportwetten-Angebot unterhält (sondern vor allem nur klassische Zahlen- , Bingo-, Poker- und andere Kasino-Lotterien), Großbritannien gerade jedoch so etwas wie die „Wiege“ des traditionellen Sportwetten-Metiers ist. Dies versetzt Zeal Network sicherlich ebenso in einen zunehmenden Wettbewerbsnachteil gegenüber Anbietern wie William Hill oder GVC Holdings.          

 

Bild: Lottogewinn

Bildnachweis © Swisscom AG

 

Der BREXIT von Zeal Network – Perspektiven der Geschäftsrückverlegung

 

Die Darlegung der völligen Divergenz der geschäftlichen Erfolge von Lotto24 und Zeal Network seit 2012 zeigen also mittlerweile überdeutlich, dass aus dem Blickwinkel von Zeal Network die damalige Abspaltung von Lotto24 und der anschließende Unternehmenssitzwechsel auf die britische Insel fraglos ein hochgradiger strategischer Fehler war. Und dies gerade auch im Licht des nun vor dem Vollzug stehenden BREXITs, der dem künftigen Lotteriegeschäft von Zeal Network auf der „Insel“ sicherlich ebenfalls kaum förderlich wäre.

Insofern spricht es Bände, dass nach dem strategisch längst überfälligen Motto „Zurück zu den Wurzeln“ Zeal Network in 2018 erneut ein erstes Übernahmeangebot zum (Rück)Kauf von Lotto24 abgegeben hatte, was nun schließlich nach weiteren Angebotserhöhungen auch im Mai 2019 die Zustimmung nahezu aller ausstehenden Lotto24-Aktionäre fand. Gleichzeitig strebt in dieser Konsequenz Zeal Network nun auch die Rückverlagerung des Geschäftssitzes nach Deutschland an, so dass mit einem erst dann erfolgenden Delisting der Lotto24-Aktie endgültig ein Schlussstrich unter das schon fast desaströse „Großbritannien-Abenteuer“ von Zeal Network gezogen wäre.

Wie sind nach der nun wohl zunehmend anstehenden „Reintegration“ von Zeal Network (bzw. Tipp24) und Lotto24 aber nun die Perspektiven für beide Konzerne und Aktien zu werten?

Nun, hierzu ist zunächst dem wesentlichen Politikum Rechnung zu tragen, dass die seit dem Lotto24-Spinoff im Juli 2012 amtierende Vorstandsvorsitzende Petra von Strombeck den Konzern nun verlassen und ab 01.01.2020 neue Vorstandschefin von XING werden wird. Für Lotto24, die noch keine(n) Nachfolger(in) von Frau von Strombeck benannt hat, stellt dies aus unserer Sicht fraglos einen operativen Einschnitt dar, konnte unter ihrer Leitung doch die Aktienmarkt-Kapitalisierung von Lotto24 seit Mitte 2012 mehr als verzehnfacht und zudem auch die Konzernumsatz- wie Gewinnentwicklung bereits seit 2015 stetig verbessert werden.   

Auf der anderen Seite hat sich Lotto24 natürlich längst zum künftig nun eigentlich starken Arm von Zeal Network gemausert, was auch dadurch signalisiert wird, dass die Lotto 24-Aktienmarktkapitalisierung mittlerweile rd. das 0,75-fache derjenigen von Zeal Network beträgt (366 vs. 487 Mio. Euro). Zudem bestand zuletzt ebenfalls bereits Übernahmeinteresse an Zeal Network’s operativer Tochter Tipp24 (z. B. vom führenden deutschen Zweit- und Privatlotterieanbieter LOTTOLAND), so dass auch von daher Zeal Network leicht versucht bzw. sogar womöglich gezwungen sein könnte, Tipp24 eines Tages aus dem Konzernverbund zu veräußern.

Aus diesen Machtkonstellationen zwischen Lotto 24 und ihrer neuen Mutter Zeal Network sehen wir daher auch nach dem internen „Machtvakuum“, was Frau von Strombeck nach ihrem Weggang womöglich nun erst einmal intern hinterlassen könnte, kaum eine erhöhte Gefahr, dass die aktuelle Geschäftsführung von Zeal Network von nun an versucht wäre, in wesentlichem Maße umwälzend in die bisher sehr erfolgreiche Geschäftspolitik von Lotto24 einzugreifen. Hierzu sehen wir Zeal Network nach „Rückkehr von ihrem Großbritannien-Feldzug“ derzeit doch als operativ zu geschwächt an. Der jetzige Zeal-Vorstand dürfte sich der Stärke seines neuen Unternehmensteils somit sehr wohl bewusst sein, was Lotto24 (auch dank seiner staatlichen deutschen Exklusivlizensierung) weiterhin ein hohes Maß an operativer Eigenständigkeit bescheren dürfte.

 

Bewertung und strategische Positionierungsempfehlung LOTTO 24 / ZEAL NETWORK

 

Die negative Geschäftsentwicklung seit 2012 hat Zeal Network operativ derart zugesetzt, dass der Konzern aktuell mit nur deutlich einstelliger Nettogewinnmarge und Eigenkapitalrendite extrem weit hinter den jeweils bei über 25 % liegenden Vergleichswerten von Lotto24 zurückliegt. Dies manifestiert sich folgerichtig auch in der vollauf angemessenen aktuellen KGV-Bewertung beider Unternehmen, die auf Basis 2020e bei Lotto24 bei rd. 28, bei Zeal Network dagegen nur bei rd. 6 liegt.       

Auch in dieser Hinsicht kann man mit Fug und Recht in Wahrheit von einem sog. „Reverse Takeover“, also einer operativ faktisch umgekehrten Übernahme von Zeal Network durch Lotto24 reden. In dieser Konstellation gehen wir auch weiterhin klar davon aus, dass die Lotto24-Aktie den DAX-Index wie auch erst recht die Zeal Network-Aktie weiterhin outperformen wird, bis es zu einem Delisting ersterer Aktie bzw. offiziellen Umtausch in neu zu emittierende Zeal Network-Aktien kommen wird.

Zur weiteren Verfolgung unserer anlagestrategischen Positionierung in der Lotto24-Aktie verweisen wir auf unser erfolgreich gemanagtes Strategiedepot AKTIEN SPEKULATIV, in dem diese Aktie gegenwärtig allokiert ist.

 

 

17.11.2019 - Matthias Reiner - mr@berneckerresearch.de

 









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