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Gold als Notenbankreserve

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Notenbanken weiter im Goldkauf-Modus

 

Bekommen die Notenbanken kalte Füße wegen der Folgen ihrer eigenen Politik? Grund zu dieser Annahme gäbe es, denn sichtbar wird der Richtungswechsel in der Geldpolitik einerseits in einer wachsenden Zahl negativ rentierender Staatsanleihen. Zum anderen aber in dem Reflex, die Werthaltigkeit der Notenbankreserven zu sichern. Wie das aber tun mit ,,Fiat-Geld“?

 

Robuste Goldnachfrage zu erwarten

 

Der neueste Bericht des World Gold Council zur Entwicklung der Notenbankreserven (2019 Central Bank Gold Reserves Survey) zeigt, wie es geht. Denn darin wird deutlich, dass die Goldnachfrage der Notenbanken kurz- und mittelfristig robust bleiben sollte. Interessant dabei ist aber nicht nur die Gesamtaussage, sondern auch die Unterschiede zwischen den Notenbanken der entwickelten Volkswirtschaften einerseits sowie der Emerging Markets und der Entwicklungsländer andererseits.

 

Unterschiedliche Motivationsstruktur?

 

Letztere erwarten in Zukunft eine Änderung im internationalen Währungssystem. Mittelfristig gehen die Notenbanken der aufstrebenden Staaten davon aus, dass der chinesische Renminbi und Gold eine größere Rolle spielen werden als bisher. 39 % der Notenbanken dieser Länder geben dies als Grund für aktuelle Änderungen in ihren Devisenreserven an.

Ebenfalls aufschlussreich sind die Unterschiede bei der Stärke der Einflussfaktoren auf die Entscheidung, wie die Notenbanken ihre Reserven managen. So erklärten alle Notenbanken der entwickelten Länder, der wichtigste Faktor für die Entscheidung sei die historische Position der Reserven. Dies ist vor dem Hintergrund zu bewerten, dass die hohen Goldanteile dieser Notenbanken überwiegend aus Zeiten stammen, als eine Unze Gold noch für 35 US-Dollar zu haben war. Der Status quo wiegt hier schwer und ist für die aufstrebenden Länder mit ihren niedrigen Goldanteilen an den Gesamtreserven eben (noch) kein optimaler. Die Differenz in der Bedeutung ist hier mit 30 % hoch (100 % ,,alte‘‘ Ökonomien versus 70 % ,,neue‘‘).

 

Haben oder nicht haben!

 

Was aber noch schwerer wiegt sind die Gründe, warum die aufstrebenden Länder ihre Goldreserven aufstocken wollen, denn diese haben keinen Status-quo-Bias, da diese Aufteilung nicht nahe ihrem Optimum liegt. Es ist deshalb auch keine Überraschung, dass sich die Wertschätzung der Eigenschaften des Goldes bei ihnen deutlich stärker an den realen Wirkungen auf die Wertstabilität der eigenen Reserven konzentriert. Dazu gehört insbesondere der Kauf von Gold, weil es kein Ausfallrisiko hat (22 % ,,alte‘‘ versus 74 % ,,neue‘‘), als effektive Portfoliodiversifizierung (44 % ,,alte‘‘ versus 70 % ,,neue‘‘), wegen seines Verhaltens in Krisen (44 % ,,alte‘‘ versus 65 % ,,neue‘‘), die Abwesenheit von politischem Risiko (33 % ,,alte‘‘ versus 57 % ,,neue‘‘) und die schon genannte Antizipation erwarteter Änderungen im internationalen Währungssystem ( keine Antwort ,,neue‘‘ versus 39 % ,,alte‘‘).

Diese Präferenzstruktur ergibt in Zusammenschau mit den niedrigen Anteilen von Gold an den Gesamtreserven der Emerging Markets und der Entwicklungsländer und der Höhe Ihrer Reserven ein beachtliches Potenzial für starke Kursbewegungen am Goldmarkt. Zudem gehen die Notenbanken der entwickelten Länder mit dem Kauf von Anleihen und Aktien bedeutende Risiken ein, die im Zeitverlauf die Bedeutung des Goldes als effektiver Portfolio-Diversifizierer nur noch weiter steigen lassen und ein Grund sind, das eigene Gold eben nicht zu verkaufen.

All das wissen jene aufstrebenden Länder, die dazu beigetragen haben, dass die Gesamtnachfrage der Notenbanken 2018 mit insgesamt 651,5 Tonnen so hoch war wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Und im 1. Quartal 2019 kauften sie mit 145,5 Tonnen nochmals 68 % mehr Gold als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das gibt einen Vorgeschmack auf eine Situation, in der die einen aus guten Gründen ihr Gold behalten wollen und die anderen aus denselben Gründen kaufen. In dieser Ausgangslage erscheint es hochplausibel, sein Gold jetzt zu kaufen. Aus denselben Gründen!

 

19.07.2019 - Arndt Kümpel - ak@berneckerresearch.de






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