für PDF-Download bitte anmelden

BÖRSE TO GO - mit Zahlen von Jungheinrich, BIP-Prognose und was wird mit den Dividenden

Risikopositionen werden weiter abgebaut

 

Guten Tag,

keine Frage, die USA geben alles! Bis zu 1 Billion Dollar (eintausend Milliarden) sollen bereitgestellt werden, falls es notwendig wird. Dabei sollen 500 Mrd. Dollar an die Bevölkerung, 200-300 Mrd. Dollar an Unternehmen und 50-100 Mrd. Dollar an die Luftfahrtbranche verteilt werden. Nach dem Zinsschritt und dem Anleihekaufprogramm folgt nun möglicherweise also das „Helikoptergeld“ in Form von Schecks an die Bevölkerung. 

So etwas gab es schon einmal, nämlich während der Großen Rezession von 1929, wo pro Familie 300-600 und 300 Dollar pro Kind verteilt wurden sowie im Jahre 2001 nach den Terroranschlägen, wo 300 Dollar/Haushalt verschenkt wurden. Die Wirkung solcher Schritte bleibt umstritten, sorgen aber unter der Bevölkerung zumindest für ein Gefühl der Erleichterung. Ob wir in Europa diesen Schritt gleichfalls in Erwägung ziehen, bleibt abzuwarten, aus unserer Sicht ist es eher unwahrscheinlich, weil uns der Pragmatismus dafür fehlt.

 

brennende Dollar-Scheine

Bildnachweis: © Fotograf - Jp Valery

 

Weiter Abbau von Risikopositionen

 

Die Börse interessiert das nur wenig. Denn im Hintergrund läuft unverändert das große Deleveraging und der Abbau von Risikopositionen bei den institutionellen Anlegern. Wie weit dies vorangeschritten ist kann keiner beziffern, aber die hohen Umsätze suggerieren, dass hier noch Spielraum besteht. Zudem wird eine Vollbremsung der Wirtschaft bis zum absoluten, aber vorübergehenden Stillstand eingepreist. Geschlossene Geschäfte, pausierende Bauaktivitäten, stillgelegte Fabriken und keinerlei soziale Kontakte für Wochen suggerieren den Weltstillstand. Das gab es noch nie. Und etwas einzupreisen, was es noch nie gab, fällt der Börse extrem schwer.

Wo das Ende der umgekehrten Fahnenstange liegt, weiß keiner. Es lohnt auch nicht der Blick auf die Charts, denn bestenfalls kann hier nur herausgelesen werden, wo eventuelle weitere Untergrenzen unterschritten werden. Ob der DAX nun bei 8.000, 7.500, 7.000 oder 5.000 seinen Boden findet, spielt nur dahingehend eine Rolle, als somit gesichert ist: Je tiefer der Fall, desto größer die Erholung!

Denn natürlich werden sich die Kurse in Zukunft erholen, und natürlich werden wir auch wieder die 14.000 im DAX sehen. Aber ob dies 2020, -21, -22 oder -23 der Fall ist, spielt überhaupt keine Rolle. Entscheidend ist nur, dies zu erkennen und zu gegebener Zeit zu handeln!

In der Zwischenzeit ist es sinnvoller und vor allem zielführender, sich mit den Zeiten „nach Corona“ zu beschäftigen. Denn auch das ist klar: Corona wird die Welt verändern und aus den Erfahrungen dieser Weltkrise entstehen wiederrum neue Ideen, Geschäftsfelder und Innovationen, die ihrerseits auch wieder den Weg an die Börse finden werden.

 

Eine Wirtschaftsprognose

 

Hinsichtlich der Folgen der Corona-Epidemie auf das Wirtschaftswachstum lieferte gerade das Institut für Weltwirtschaft (IfW) aus Kiel einen Ansatz, den wir für nachvollziehbar halten. In seiner aktuellen Frühjahrsprognose rechnet das IfW damit, dass in Deutschland das BIP im ersten Quartal um 0,4 % schrumpfen dürfte. Für das zweite Quartal rechnet man sogar mit einem Rückgang um ein Prozent. Damit wären wir drin in der klassischen Definition einer technischen Rezession. Indes:

Für das zweite Halbjahr rechnen die Wirtschaftsforscher allerdings mit einer geradezu V-förmigen Erholung. So liegt die Prognose für das dritte Quartal bei 0,9 % Wachstum, im vierten Quartal bei einem Prozent. Unter dem Strich würde Deutschland damit im Gesamtjahr auf ein erträgliches Plus von 0,1 % im Wirtschaftswachstum kommen, was die ganzen Panik-Äußerungen der letzten Wochen kräftig infrage stellt. 

Wobei: Man darf natürlich nicht außer acht lassen, dass Deutschland momentan eine absolute Vollbremsung in der Wirtschaft hinlegt. Hier könnten entsprechende Abwärtskorrekturen notwendig sein in den Prognosen. Dennoch bleibt das Gesamtbild erhalten, dass wir im zweiten Halbjahr nach aller Wahrscheinlichkeit einen kräftigen Rebound im Wachstum bekommen könnten. Und das wurde natürlich die Börse schon vorab aufnehmen.

 

JUNGHEINRICH: Ausblick bestätigt, aber...

 

Auf Seiten der Unternehmensmeldungen bestimmen weiterhin Jahresbilanzen das Geschehen. Exemplarisch dafür steht der Gabelstapler-Hersteller JUNGHEINRICH. Dieser hatte für das vergangene Jahr sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn Zuwächse verzeichnen können. Der Umsatz legte um 7,3 % auf 4,073 Milliarden Euro zu, während das Nettoergebnis mit 177 Millionen Euro leicht über den Vorjahreswerten (175,8 Millionen Euro) lag.

Exemplarisch ist JUNGHEINRICH auch deshalb, weil im Ausblick auf das neue Jahr das Stichwort „Corona“ wieder ganz groß geschrieben wird. Zwar bestätigte das Unternehmen seine bisherige Prognose, die von einem Umsatz zwischen 3,6 und 3,8 Milliarden Euro und einem Vorsteuergewinn von 145 bis 175 Millionen Euro ausgeht. Doch das alles wird natürlich unter dem Vorbehalt der weiteren Pandemie-Verläufe gestellt, deren Einflüsse man derzeit aber noch nicht beziffern kann.

Mit einem Abschlag von rund 6 % wird JUNGHEINRICH natürlich dafür gestraft, dass die Zielgrößen für dieses Jahr deutlich unter den Vorjahreswerten liegen. Aber auch hier lohnt sich sicherlich die Überlegung, bei einer allgemeinen Marktberuhigung auf einen Rebound zu setzen. Aber das ist natürlich noch viel zu früh.

 

Kursverlauf Jungheinrich Vorzüge

 

Was wird mit den Dividenden?

 

Und noch ein Thema, das uns von Lesern herangetragen wurde. In normalen Zeiten würden jetzt im April/Mai wieder viele Hauptversammlungen stattfinden. Doch immer mehr Unternehmen sagen diese wegen der Versammlungsverbote ab. Dazu muss man wissen: Nach dem deutschen Aktienrecht muss eine Aktiengesellschaft ihrer Hauptversammlung innerhalb der ersten acht Monate nach Bilanzstichtag abhalten. Virtuelle Hauptversammlungen, wie sie momentan von dem einen oder anderen in die Runde gestellt werden, sind hier gesetzlich noch nicht vorgesehen, sondern nur Präsenz-Hauptversammlungen. Das Problem dabei:

Gerade für Dividenden-Anleger ergibt sich daraus eine erhebliche Verschiebung der eingeplanten Zahlungsströme. Denn erst wenn die Hauptversammlung die Dividendenausschüttung beschlossen hat, kann diese auch gezahlt werden. In anderen europäischen Ländern sind so genannte Zwischen-Dividenden möglich, in Deutschland ist das gesetzlich ausgeschlossen. Insofern müssen sich Dividendenjäger wohl noch eine Weile gedulden. Es wäre wünschenswert, wenn als eines der Ergebnisse der aktuellen Krise das Aktienrecht entsprechend an die neuen technischen Möglichkeiten angepasst wird.

 

18.03.2020 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de

 









Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur