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BÖRSE TO GO - mit EZB, Roche und HeidelbergCement

Euro-Zentralbank holt ganz grosse Geschütze raus

 

Guten Morgen,

jetzt also doch auch die EZB. Hat es vorige Woche noch geheißen, es sei nicht die Aufgabe der EZB, die Spreads zu verringern und die Ängste der Bevölkerung zu lindern, so ist offensichtlich im Zuge der US-Fed-Entscheidung ein Umdenken erfolgt. Mit geplanten oder beabsichtigten 750 Mrd. Euro an Anleihekäufen bis Ende des Jahres übertrumpft EZB-Chefin Christine Lagarde sogar das 60 Mrd. Euro/Monat Paket von Draghi. 

Ferner wird an weiteren Maßnahmen zur Abmilderung der Krisenfolgen gearbeitet, und es ist damit zu rechnen, dass diese in Kürze verkündet werden. Es gibt Meldungen, aus denen hervorgeht, dass es gestern Abend zu einer virtuellen Sitzung des EZB-Rates gekommen war, um dies zu entscheiden.  Es sind also summa summarum an allen Fronten dieselben Reflexe, wie schon in der Finanzkrise erlebt.

 

EZB Eurozeichen

Bildnachweis: © Bernecker Research AG

 

Trump versucht derweil noch eine Schippe draufzulegen und bemüht sich um die eventuelle Aktivierung eines Kriegsgesetzes. Der sogenannte "Defense Production Act" stattet den US-Präsidenten bei Bedarf mit weitreichenden Befugnissen im Notfall aus. So könnte er im Interesse der nationalen Sicherheit z. B. auch in die Privatwirtschaft eingreifen und anordnen, die Produktion essenzieller Materialien zu erhöhen. Nun, es ist noch immer Wahljahr, und so sollte ein Präsident eben auch entsprechend agieren und dem Volk zeigen, was für ein großartiger Anführer er ist. Das gilt im Übrigen auch hierzulande, wo Angela Merkel ihre „Schäfchen“ verpflichtet, sich bitte „an die Regeln“ zu halten und ein aufgeregter und offensichtlich überforderter stellvertretender Ministerpräsident aus NRW auch die Möglichkeit einer Ausgangssperre in den Raum wirft.

 

Der neutrale Beobachter stellt fest: Krise ist Macht

 

Zur Börse: Eine sehr interessante Zahl macht derzeit die Runde. Weltweit greifen Unternehmensinsider bei den eigenen Aktien wieder zu! Insgesamt ist in den letzten Tagen die Relation ihrer Aktienkäufe zu den Verkäufen insgesamt auf den höchsten Wert seit 1999 gestiegen. Dies meldet 2iQ Research. So haben Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder 4,5-mal mehr an Aktien an ihren eigenen Unternehmen erworben, als sie im März bis Montag verkauft haben. 

In Zahlen: Insgesamt wurden diesen Monat Aktien im Wert von 86,6 Mio. Euro erworben, was dem höchsten Wert seit 2015 entspricht. Auch in den USA befinden sich die Käufe auf dem höchsten Stand seit 2016. Die Erfahrung zeigt, dass Insider in der Vergangenheit stets ein gutes Gespür für den Tiefststand des Markts hatten, also werten auch wir dies als Anzeichen dafür, dass Führungskräfte ihre Unternehmen nach dem 30% Einbruch des MSCI World Index die aktuellen Kurse als günstig erachten und mit hoher Zuversicht in die Zukunft blicken. Fazit: Der Zeitpunkt des Einstiegs rückt nah!

 

ROCHE startet Studie

 

Im Fokus des Marktes bleiben weiterhin die Firmen, die direkt mit der Corona-Epidemien zu tun haben. So konnte beispielsweise gestern eine BIONTECH, die zusammen mit chinesischen Investoren an einem Corona-Impfstoff arbeitet, weitere 38% zulegen. Heute Morgen meldet die Schweizer ROCHE, dass man in die Phase-3-Studie eines Medikamentes gestartet sei, dass auch bei Corona-indizierten Lungenentzündungen helfen soll. 

Dass dies noch nicht den gewünschten Widerhall an der Börse findet, ist nachvollziehbar. Denn die Studie wird sicherlich einige Zeit dauern mit vorläufig ungewissem Ausgang. Allerdings ist es auf der anderen Seite von Marktsicht her schizophren, da andere Unternehmen, die überhaupt erst die Hoffnung schüren, irgendwann einen Impfstoff vorweisen zu können, am Markt deutlich besser wegkommen. Für ROCHE gilt derzeit: Wenn Sie investiert sind, sollten Sie‘s auch bleiben.

 

HEIDELBERGCEMENT erhöht Dividende

 

Weiterhin läuft noch die Berichtsaison zum abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019. So hat HEIDELBERGCEMENT seine endgültigen Zahlen präsentiert. Diese boten letztlich keine Überraschung, weil die vorläufigen Daten bestätigt worden sind. So setzte der Baustoff-Hersteller im letzten Jahr 18,9 Milliarden Euro um und verdiente auf operativer Ebene vor Abschreibungen 3,6 Milliarden Euro. Auf Basis des Ergebnisses pro Aktie konnte HEIDELBERGCEMENT ohne Einmaleffekten einen Anstieg um 3% auf 6,40 Euro je Anteilsschein ausweisen.

Auf dieser Basis schlägt das Unternehmen auch vor, die Dividende für das letzte Jahr auf 2,10 Euro zu erhöhen. Allerdings müssen sich Aktionäre hier wohl wie bei vielen anderen Unternehmen länger gedulden als bislang geplant. Denn die Anfang Mai geplante Hauptversammlung wird wegen der Epidemie verschoben. Auf Basis der aktuellen Kurse wäre HEIDELBERGCEMENT mit einer geschätzten Dividendenrendite von derzeit 6,7% allerdings ein mehr als attraktiver Wert für entsprechend aufgestellte Anleger.

 

Kursverlauf HeidelbergCement

 

19.03.2020 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 









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