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BÖRSE TO GO - mit Hexensabbat, Hapag-Lloyd und Vapiano

Berichtssaison in den Fokus nehmen

 

Guten Tag,

am Hexensabbat haben Kursbewegungen in die eine oder andere Richtung keine hohe Bedeutung. Solange die Terminbörse das Geschehen bestimmt, erfolgt keine Trendaussage. Ergo: Der heutige Tag ist zur Einschätzung der Lage ungeeignet. Aber:

Ein einfacher Blick auf das tägliche Handelsvolumen bei den Einzelwerten zeigt, dass der Druck nachlässt. Offenbar laufen die Verkäufe langsam aus – wer verkaufen musste, hat dies getan und wer nicht verkauft hat, wird es wohl auch nicht mehr tun. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die bereits mit den Hufen scharren, um in Position zu gehen. Und jetzt wird es spannend:

In vier Wochen beginnt die Berichtssaison! Dann werden die Scherben und Kollateralschäden des ersten Quartals auf den Tisch gelegt und es dürfte wohl kaum einen geben, der hier keine Hiobsbotschaften erwartet. Sämtliche Zahlen und Ergebnisse werden das Ausmaß der Krise widerspiegeln, und auch sämtliche Schätzungen sind Makulatur. Entscheidend wird vielmehr sein, wie die Manager die unmittelbare Zukunft einschätzen und wie die Aussichten und Erwartungen für das Jahr aussehen und was unternommen wird, um die Verluste einzugrenzen. 

Die Börse wird unmittelbar auf diese Aussagen reagieren, denn es sind die einzigen Strohhalme, an denen sich das Parkett orientieren kann und wird. Unsere Erwartung ist klar: Sobald die Misere ausgebreitet ist, werden die Kurse anfangen, die Zukunft erneut einzupreisen. Derzeit ist eine Rezession eingepreist, anschließend wird es eine Erholung sein. Wichtig wird es sein, vorher in Position zu gehen.

Fazit: Die Chancen stehen gut, dass wir in der kommenden Woche eine kräftige technische Erholung erleben werden. Ob dies nur vorübergehend ist oder der Auftakt zu mehr, bleibt abzuwarten.

 

HAPAG-LLOYD ist vorsichtig

 

Corona, Corona, Corona - das bleibt auch am heutigen Tag das bestimmende Thema bei den neu präsentierten Bilanzen für das vergangene Jahr. Das gilt auch für die Containerreederei HAPAG-LLOYD. Diese lieferte ihre endgültigen Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr, die erwartungsgemäß stark ausfielen. So konnte der operative Gewinn auf Basis EBITDA um satte 74,5 % auf 1,99 Milliarden € gesteigert werden. Beim Umsatz erreichte das Unternehmen ein Plus von 8,5 % auf 12,61 Milliarden €. Zu verdanken war dieses starke Ergebnis vor allen Dingen höheren Transportvolumen wie auch höheren Frachtpreisen.

Der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr bleibt dagegen recht weit gefasst. So peilt HAPAG-LLOYD ein EBITDA zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden € an. Diese doch sehr üppige Spanne ist natürlich der Unsicherheit geschuldet, wie stark die Einbußen durch die Corona-Krise ausfallen werden. Hier halb HAPAG-LLOYD darauf verwiesen, dass man für das erste Halbjahr erhebliche Belastungen erwartet, die allerdings noch nicht konkret beziffert werden können. Letzten Endes hängt wohl alles davon ab, wie lange die Krise tatsächlich dauern wird und wie stark dann der volkswirtschaftliche Rebound ausfällt.

Immerhin: Trotz des zurückhaltenden Ausblicks kann die Aktie von HAPAG-LLOYD heute knapp 4 % zulegen. Das dürfte sicherlich auch daran liegen, dass man nochmals bestätigte, dass die Dividende von zuvor 0,15 € je Aktie auf 1,10 € steigen soll. Während viele andere Unternehmen eher in den letzten Tagen ihre Dividenden einkassierten, kann HAPAG-LLOYD mit dieser Bestätigung sicherlich auch punkten. Dennoch: Neue Käufe würden wir hier angesichts der hohen Volatilität der Markt noch nicht wieder ins Visier nehmen.

 

Kursverlauf Hapag-Lloyd

 

VAPIANO ist pleite

 

Corona ist auch offiziell das Thema bei der Restaurantkette VAPIANO. Diese erklärte heute sich für zahlungsunfähig und will nun innerhalb der nächsten drei Wochen staatliche Finanzhilfen haben. Allerdings ist die Schließung von Filialen nur die eine Hälfte der Wahrheit. Denn die Kette hatte ja schon lange Schwierigkeiten, nachdem man sich durch eine zu schnelle Expansion verhoben hatte. 

Deshalb war die Aktie ja auch schon seit Sommer 2018 immer weiter gen Süden gefallen. Die jetzige Zahlungsunfähigkeit ist also wohl zu einem Großteil hausgemacht. Wir können nur hoffen, dass Sie hier nicht engagiert sind bzw. waren. Einen Grund, warum VAPIANO mit staatlichen Hilfsgeldern gerettet werden soll, können wir ehrlich gesagt nicht erkennen.

 

20.03.2020 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de

 









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