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BÖRSE TO GO - mit Nordex, Daimler & Co. und Lufthansa

Börse dreht neu auf

 

Guten Tag,

nach einem schwachen Montag präsentiert sich der Markt einen Tag später in komplett anderer Stimmungslage. Das spiegelt sich insbesondere im DAX wider, der zum Handelsende hin auf bestem Wege ist, den größten Tagesgewinn seit 2008 zu verbuchen. Woher dieser große Umschwung?

Hierfür gibt es wohl vor allem zwei wesentliche Ansätze. Zum einen haben wir in den vergangenen Tagen ein spürbares Nachlassen des Verkaufsdrucks sehen können. Die magische Marke von 8.000 Punkten im deutschen Benchmark wurde damit bestätigt und immer mehr Investoren und Analysten kommen zu der Auffassung, dass wir in diesem Bereich nun eine Bodenbildung hinbekommen könnten.

 

Sektflasche

Bildnachweis: © Fotograf - Chichi Onyekanne

 

Aber auch die massiven Interventionen der Notenbanken wie auch Regierungen zeigen langsam Wirkung. Waren die Zinssenkungen und Mega-Anleihenkaufprogramme, die in den vergangenen Tagen angekündigt wurden, in ersten Reaktionen immer als Zeichen der schlechten Lage interpretiert worden, sieht es nun danach aus, als wenn hier die Überzeugung Fuß fasst, dass die geplanten Ausgaben (beispielsweise auch von den Regierungen, so hatte die Bundesregierung erklärt, bis zu 750 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen) am Ende dafür sorgen könnten, dass die Wirtschaft nicht ins Bodenlose fällt.

Aus dieser Gemengelage von weniger Verkaufsdruck, Spekulationen auf eine möglicherweise schnelle Erholung der Wirtschaft und extrem zurückgekommenen Bewertungen ergibt sich eine Situation, die geradezu dazu auffordert, auf die Käuferseite zu wechseln. Dies haben wir in der aktuellen Ausgabe des Zürcher Trends auch vollzogen und die Situation bei vielen Einzelwerten damit verglichen, dass hier überspannte Gummibänder nun losgelassen werden. Wenn man sich die heutigen Tagesgewinne bei Einzelwerten anschaut, ist das wohl das passende Bild.

 

NORDEX als Überflieger

 

Dabei tat sich heute insbesondere der Windturbinen-Hersteller NORDEX hervor. Seine Aktien können sich um rund ein Drittel verbessern. Und das auf den ersten Blick nur, weil das Unternehmen im Rahmen der Vorlage seiner endgültigen Zahlen für 2019 eine Perspektive gegeben hat, die überraschend positiv ausfiel. 

So peilt Nordex eine Verbesserung beim Umsatz dank voller Auftragsbücher auf 4,2-4,4 Milliarden Euro an. Dies wurde einem weiteren Zuwachs zum Vorjahr von mindestens sieben 20 % entsprechen. Beim operativen Gewinn auf Ebene EBITDA stellt man eine Zielspanne von 160-240 Millionen Euro in Aussicht. Auch hier wäre es im schlechtesten Fall immerhin noch eine Steigerung um fast 30 %.

Natürlich sind, wie wir auch im Zürcher Trend geschrieben haben, die Chart-Muster durch den zurückliegenden Ausverkauf auf breiter Ebene zer- bzw. gestört. Für NORDEX im Speziellen würden wir grundsätzlich darauf spekulieren, dass eine Erholung vor erst in den Bereich von 8,80 Euro gehen könnte. Dort wartet die nächste ernsthafte Widerstandszone. Alles bis dahin muss man unter höchst spekulativen Aspekt setzen. Aber da NORDEX bislang in den vergangenen ein zwei Jahren immer wieder seinem Ruf als Trendaktie bzw. herausgehobenem Spekulationsobjekt gerecht wurde, könnte sich hier sicherlich eine entsprechend dimensionierte Position lohnen. 

 

Kursverlauf intraday Nordex

 

Autowerte drehen auf

 

Aber man muss für extrem hohe Tagesgewinne heute nicht mal in den Nebenwerte-Bereich gehen. DAX-Anführer bei den Gewinnern ist ausgerechnet DAIMLER. Aber auch VOLKSWAGEN und BMW sind diesbezüglich nicht weit. Natürlich haben alle drei derzeit mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zu kämpfen. So hat beispielsweise VOLKSWAGEN 80.000 Beschäftigten Kurzarbeit geschickt. Indes:

Es dürfte relativ offensichtlich sein, dass die Autowerte bei einer konjunkturellen Erholung aufgrund der vorangegangenen Verluste einen der größten Hebel liefern könnten. Ob das tatsächlich mit entsprechenden Konsumdaten, sprich Absatzzahlen, dann korrespondiert, bleibt abzuwarten. 

Angesichts der Krise könnten wir sogar ganz gut vorstellen, dass die bisherigen Belastungen aus der Diskussion rund um E-Mobilität vorerst überraschend in den Hintergrund treten, da insbesondere die Regierungen kaum ein Interesse daran haben könnten, die angeschlagenen Konzerne weiter vor sich her zu treiben mit immer ausgefalleneren Öko-Forderungen. Hier könnte sich tatsächlich ein Fenster relativer Ruhe öffnen, was den Firmen entsprechende Zeit für Anpassungsmaßnahmen gibt, die sie bislang nicht hatte. Deshalb wohl auch die hohen Kursgewinne.

 

Insider-Käufe

 

Und noch eins zum Thema Insider-Käufe. Wie veröffentlicht wurde, hat LUFTHANSA-Chef Carsten Spohr für knapp 250.000 Euro Aktien des eigenen Unternehmens gekauft. Nicht ganz freiwillig. Denn nachdem im letzten Jahr veränderten Vergütungssystem müssen die LUFTHANSA-Vorstände jährlich 15 % ihrer variablen Brutto-Vergütung in eigenen Aktien anlegen, bis eine bestimmte Schwelle erreicht ist. Dennoch strahlt der Zeitpunkt des Verkaufs sicherlich auch auf andere Anleger ab. Für die LUFTHANSA geht es heute jedenfalls zweistellig nach oben und bestätigt damit unseren Ansatz, dass die Airlines als mit am stärksten Leidtragende der Krise auch über ein entsprechend hohes Erholungspotenzial verfügen.

 

24.03.2020 - Jens Bernecker - jb@berneckerresearch.de

 









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