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BÖRSE TO GO - Schwenk bei Siemens, Hoffnung bei Daimler

Stufen die Märkte alles richtig ein?

 

Guten Morgen,

die Börsen fangen an sich an Strohhalmen zu klammern. Das ist verständlich, aber auch nicht ohne Risiko. Als die Nachricht von einem Anti-Coronavirus Medikament die Runde machte, schossen die Kurse auf breiter Front nach oben, obgleich sich die WHO unmittelbar meldete und die Nachricht relativierte:

Am frühen Mittwoch meldete Sky News einen "bedeutenden Durchbruch" von Wissenschaftlern am Imperial College London in Großbritannien, die angegeben hatten, die Entwicklungszeit für einen Coronavirus-Impfstoff von "zwei auf drei Jahre auf nur 14 Tage" verkürzt zu haben. Ein anderer separater Medienbericht aus China vom Mittwoch behauptete ferner, dass Forscher in China zwei separate Medikamente gefunden hätten, welche die Wirkung des neuen Coronavirus-Stammes hemmen könnten. Für keine dieser Meldungen gab es eine unabhängige Bestätigung.

Das zeigt das ganze Ausmaß der Konfusion, und in solchen Fällen ist die Angst etwas zu verpassen offensichtlich größer als die Sorge einer Eskalation. In dieser Situation fällt es nicht leicht eine eindeutige Position zu beziehen. Wir bleiben hier erst einmal vorsichtig, und zwar aus einem Grund:

Die Wirtschaft fängt an Chinas BIP-Wachstumsprognose für 2020 herabzusetzen, da der Ausbruch des Coronavirus die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt härter trifft als gedacht. Erst gestern meldete ein Wirtschaftswissenschaftler der chinesischen Regierung, dass das Wirtschaftswachstum des Landes im ersten Quartal aufgrund des Virusausbruchs auf 5% oder sogar weniger fallen wird. Im Jahr 2019 betrug das BIP-Wachstum Chinas im Gesamtjahr 6,1% nach 6,6% im Vorjahr. Denn in vielen Städten ist die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen gekommen, und mittlerweile ist auch der Dienstleistungssektor betroffen, da die Menschen aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben. Inwiefern Pekings Konjunkturmaßnahmen die Auswirkungen des Ausbruchs auf die Wirtschaft ausgleichen werden bleibt offen.

Unsere Einschätzung: Die unmittelbaren und bedeutendsten wirtschaftlichen Auswirkungen werden angesichts der Bedeutung Chinas für das globale Wachstum und die weltweiten Unternehmensumsätze weltweit noch Monate nachwirken. Insbesondere der Konsum und der Tourismus, wie auch der Sportartikelhersteller NIKE bereits bestätigte. Zudem:

China hat am Donnerstag angekündigt, die Zölle für Hunderte von US-Waren im Wert von etwa 75 Mrd. Dollar zu halbieren. So sollen die Zölle für einige US-Waren von 10% auf 5% und für andere von 5% auf 2,5% gesenkt. Die Anpassungen werden am 14. Februar ab 13:01 Uhr wirksam. Eine Entlastung für die Märkte, aber die Frage bleibt: stufen die Märkte alles richtig ein?

 

Die Siemens Zahlen überzeugen die Märkte noch nicht endgültig.

 

Es ist müßig hier ins Detail zu gehen, denn im Vordergrund stehen nicht die nackten Zahlen sondern die Frage wie rasch der Wandel von Siemens ablaufen wird. Ob die Zusagen von Vorstandschef Kaeser haltbar sind oder nicht mag auf HV ein heißes Thema sein, ebenso wie die Klimadebatte. Aber für das Parkett zählt nur eines: bleibt Siemens auf Kurs, ja oder nein? Die Antwort lautet bis auf weiteres „ja“, denn ansonsten entstünden die hohen Belastungen nicht welche das Ergebnis drücken. So etwas hatten wir schon einmal bei RWE und E.ON. Und heute zeigt sich: es dauert seine Zeit bis die Früchte dieser Saat geerntet werden können. Was ist also zu tun? Geräuschkulisse ignorieren und sich der Markttechnik bedienen: der mittlere Abwärtstrend ist gebrochen, es folgt die Bestätigung von oben. Das wäre dann die nächste Kaufbasis.

 

 

Ist das der Boden bei Daimler? 

 

Sie wissen: Trendwenden werden vom Markt, also vom Autokäufer, bestimmt. Aktuell: Der deutsche Automarkt startet schwach ins neue Jahr. Die Neuzulassungen sanken im Januar laut um gut 7 % auf 246 300 Fahrzeuge, aber: Gut lief es im Premiumsegment. Audi (+1,2 %), BMW (+6,5 %) und Mercedes (+2,9 %) können sich alle gegen den Trend behaupten. Porsche verzeichnete sogar ein Plus um knapp 52 % auf rund 2 000 Einheiten. Viel wichtiger: Das starke Abschneiden spiegelt sich auch im Antriebsmix denn die Anzahl verkaufter Plug-in-Hybrid-Modelle wurde verglichen mit dem Vorjahresmonat auf 8 639 vervierfacht. Bei den sonstigen Hybriden wurde der Absatz immerhin auf rund 30 000 Stück verdoppelt und die Zahl der batterieelektrischen Autos zog um gut 60 % auf etwa 7 500 an. Jetzt kommt es auf das Ausland an. Wir setzen Daimler erst einmal auf die Watchliste, die Mutigen unter Ihnen kaufen eine Anfangsposition oder verbilligen auf der aktuellen Basis.

 

 

Kurz noch zum Autotitel des Jahres, Tesla. Wie zu erwarten entweicht jetzt die heiße Luft. Aber erwarten Sie bitte keinen Crash! Dafür ist die Story zu gut, die Zahlen zu vielversprechend und die Aussichten zu verheißungsvoll. Wir rechnen damit das der Kurs bis auf 400/500 Dollar zurückfällt, dann sehen wir weiter.

Abschließend: Die aus unserer Sicht wichtigen Termine des Tages: ING Group., L’Oréal, Motorola, Philip Morris, Société Générale, Toyota, Twitter und Voestalpine.

 

06.02.2020 - Carsten Müller - cm@berneckerresearch.de

 









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